GESCHRIEBENE CHRONIK

Geschriebene Chronik 1992

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Chronik für das Jahr 1992
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Wir werden damit leben müssen, dass zum Jakeswechsel Kriege herrschen auf
unserer Welt. In Jugoslawien tobt ein Bürgerkieg der auch uns nicht unberührt
lassen kann. Seöeq Kroaten und Moslem die unter Tito zusammengehalten
wurdeg bekämpfen sich nun gegenseitig und lösten eine grosse Flüchtlingswelle
aus. Viele Saisonniers konnten hieöleiben, weil die Situation in ihrem Land
katastrophal war und sie befürchten mussten in ihrer Heimat sofort eingezogen zu
werden. Auch in unserer Region wurden Sammlungen von Lebensmittel und
Hilßgütern gemacht zugunsten Restjugoslawiens.
Nach einem weiteren schneearmen Winter in unserer Region in unserer Regio4
erlebten wir einen kalten Frühling bis Mitte April. Dann wurde es wärmer und es
folgte ein wunderschöner
„Blüjet“.
ln Buchen und Staad tat sich einiges in Punkto Läden! In Buchen entstand ein
neuer Lebensmittelladen der Lebensmittelkette SPAR. In Staad ging auf der einen
Seite die langiähdge Drogerie Frei stillschweigend eiq aufder andem Seite
wurde im Adlergebäude eine Brotablage mit Snackbar eröffiret. Das Restaurant
Adler wechselte emeut den Pächter und wurde zur Pizzeria.
In Staad entstand rechzeitig auf den Beginn der neuen Saison die neue
Ilafenanlage mit Seebad im Homlibuck. Die Anlage erscheint sehr gefiillig.
Grosse Aufregung herrschte unter den Bootsbesitzerq erhielten doch 40 bisherige
Meter die Kündigung ilres Platzes. Eine kantonale Verfügung schreibt die
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Reduktion der Motorboote auf dem Bodense vor.Die Ankündigung loste heftige
Äl Proteste und schwere Vorwürfe an die Hönrlibuck AG aus. Erboste E>pll *otrten mit Schadenersatzklage, aber auch die stark erhöhten Metpreise wurden
beanstandet. Der Gemeindeammann von Rorschacherberg, auf dessen Gebiet der
Hafen liegt, erklärtq dass der Hafen trotzdem keine Goldgrube sei.
Auch in unserer Gemeinde fehlte es nicht an politischer Brisanz! Die Planung
einer neuen Doppelturnhalle in Buchen weckte Emotionen ungeahnten
Ausmasses. An der Rechnungsgemeinde die auf den 24. April in der Kirche
Wartbüchel angesetzt wurde,beantrage der Primarschulrat den Bau einer
Turnhalle in Thal sowie einer Doppelturnhalle in Buchen.An diversen
Orientierungs-und Vereinsanlässen wurden die Vorlagen erklärt und vorgestellt.
Ob die Kontroverse um die Notwendigkeit einer so grossen llalle in Buche4 oder
die Kosten von 12,5 Mio die Stimmbürger aus den Häusern locken war nicht
ganz klar.Ueber 700 Personen waren anwesend in der Kirche Wartbüchel, schön
verteilt in Befürworter und Gegner. Die anwesenden Stimmbürger brauchten
einiges Standvermögen, dauerte die Versamrnlung doch über 3 StundenlWährend
frir die Befürworter die Finanzierung keine grossen Probleme darstellte,waren die
Gegner der Vorlage gegen eine Verschiebung der Tennisplätze und die Kosten zu
hoch. Nach mehreren Abstimmungen zu Einzelanträgen wurde das Projelr an die
Urne verwiesen.
Der FC Staad hatte sich beworben um die Durchführung des Kantonalen
Schwingfestes auf den Sportanlagen im Bützel.Ende Mai war es soweit, bei
prächtigem Wetter kam viel Volk nach Buchen und in den Sägemehlringen ging
es um Loorbeerkränze und Naturalgaben.Ein imposanter Gabentempel war
aufgebaut und entliess keinen Schwinger mit leeren Händen nach Hause.
Der Sommer begann mit wunderschönem Wetter und es brauchte walrlich kein
Talent zum Heuen. Stabile Hochdruckgebiete bescherten uns sicheres Heuwetter,
und den Bienen Flugwetter w,ihrend der ganzen Blütezeit. Die Folge war eine
rekordverdächtige Honigernte, und Fruchtstände bei Stein- und Kernobst, die
einen vollen Herbst hinwiesen.
Knapp vor den Sommerferien waren dann die Stimmbürger aufgerufen zur
Urnenabstimmung um die Mehrzweckhalle im Bützel. Eine geballte Ladung an
Leserbriefen erschien in den regionalen Zeitungen. Die Stellungnahmen waren
beidseits immer noch dieselben, und der Abstimmungskampf völlig offen. Das
Resultat brachte dann aber einige Emüchterung, wurde das Projekt doch mit
Mehrheit bei sehr guter Stimmbeteiligung abgelehnt.
Obwohl der Umgangston im Abstimmungskampf recht ruppig war, kehrte jeta
Ruhe ein im Dor[, die Sommerferien gingen los, und viele Buchner vereisten.
Zuhausegebliebenen wurden verwöhnt mit ungewöhnlich stabilem
Unser See und die nähere Umgebung zeigten sich als Ferienparadies.
in der Schweiz und in Europa richteten schwere Hagelgewitter Ueberschwem-mungen
und Schäden an. Bei uns machte sich zwar langsam eine Trockenheit
bemerkbar. aber emsthafte Schäden entstanden keine.
Am 2l.Juli übenaschte ein Sturm unser Land und brauste auch bei uns mit über
I I Knoten Windgeschwindigkeit durch die Region. Viele Wassersportler geri
in Seenot, oft auch aus Leichtsinn, weil sie die Sturmwamung ignorierten. Die
Bilanz waren mehrere Tote und Verletzte durch umsti.lrzende Bäume und auf
Seen viele gekenterte Boote. Im Sommer 1992 ertrar*en?l Menschen im
Bodensee.
In Spanien machte unsere Schweiz Schlagzeilen an der Weltausstellung in
mit ihrem Pavillon,
„die
Schweiz existiert nichtl“ Im Hinblick auf die Eurolex-
Abstimmung ein problematischer Satz! In Barcelona wurde die
durchgeführt, ohne grossen Medaillensegen ftir die Schweiz, aber mit sehr viel
spannenden Wettkämpfen und gutem Sport allgemein.
In Staad und Buchen verlief der Sommer weit weniger spelxakullir. Die
Bautätigkeit beschränlte sich aufRenovationen und wenige Neubauten. Die Hy
pothekarzinse wurden zwar leicht gesenkt aber der Immobilienmarkt ist
zusammengefallen. Häuser und Wohnungen wurden merklich tiefer gehandelt
Riedtli Staad begann die Firma Weiss einen Umschlagplatz mit Warenlager zu
bauen. Noch ist der Komplex ohne bewilligte Zufahrtsstrasse, aber laut
Gemeindebehörde wird dieser kleine Schönheitsfehler vom Kanton vordringlich
behandelt. Der zu erwartende Schwerverkehr wird auf die Autobahn verwiesen
und darf das Dorf Staad nicht zusätzlich belasten. Die Frase ist nur wer dies
kontrollieren wird!
Am I l September konnte das neurenovierte Risegg Schulhaus mit dem Neubau
feierlich eingeweiht werden. Die Bauarbeiten erforderten einiges Verständnis
von Lehrern und Schülern währen der 2 jährigen Bauzeit. Nun konnte die
mitsamt Brunnen, Glöggliturm und Spielanlage der Jugend überreicht werden.
Der offizielle Einweihungsakt ging mit viel Prominenz aus Politik und
Erziehungsdepartement und den üblichen langatmigen Ansprachen über die
Bühne.
Am Bettag herrschte grosse Freude bei der evangelischen Kirchgemeinde
ln einem Festgottesdienst konnte die neue Orgel eingeweiht werden.
Dies bedeutete gleichzeitig den Abschluss der Renovation der 2OOjährigen
Buchen.
Bei den Kantonsratswahlen beteiligten sich aus unserer Gemeinde mehrere
qualifi“ierte Kandidaten aus verschiedenen Parteien. Trotzdem gelang es nicht,
das Mandat von Hansp. Karrer zu halten. Unsere Gemeinde ist somit im
Kantonsrat nicht vertreten. Es zeigte sich, dass die oberen Gemeinden im Bezirk
den Thalern das Wasser abgraben bei Gelegenheit.
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Bereits vom September an, stand eine gewaltige Obsternte vor ihrer Verwertung!
Die Mosterei Staad arbeitete auf Hochtouren und brachte die Emte ohne Ein-schränkungen
unter Dach.
Auch beim Weinbau bahnte sich eine Rekordernte an. Es wurden Werte gemessen
zwischen 90 und 100 Oechsle. Der prächtige Sommer sowie eine freiwillige
Mengenbeschränkung taten das lhre.
Das schöne Wetter allerdings war endgültig voöei! Der ganze Heöst zeigte sich
nass und unbestlindig. Mitte Ohober gab es gar einen Wintereinbruch bis weit in
die Niederungen. Der Schnee hielt sich zwar nicht lange bis zu Höhen über 1500
Meter über Meer.
Die Gemeinderatswahlen verliefen ziemlich überraschend. Nebst den nominierten
Kandidaten/innen stellte sich der Staader Willi Fütrer als Parteiloser aufund
wurde im ersten Wahlgang gewählt. Der Gemeinderat setzt sich nun zusammen
aus 2 Thalerrl 1 Altenrheiner und 4 Staadern. Gewählt sind: Ida Ammanq Ruedi
Dombierer, Beat Bosshart als bisherige, und Marlies Baumgartner, Stefan Mullis
und Willi Führer neu. Als Gemeindeammann wurde llans Schlegel bestätigt. Bei
den Schulratswahlen hinterliessen die Diskussionen um die llalle einige Spuren im
Wahlergebnis, es wurden aber alle Vorgeschlagenen und Bisherigen
wiedergewählt.
Im Buechberg ging die traditionelle Bäckerei von Ernst Wettstein in neue Hände
über. Der junge Nachfolger verpflichtete sicl\ das Brot und die Käsefladen nach
altem Rezept herzustellen. Die Bevölkerung vom Buechberg und Buchen ist
glücklich dass mit der Familie Motzer die Nachfolge gesichert ist.
Am 6. Dezember musste die Bevölkerung abstimmen über den Beitritt zum
Europäischen Wirtschaftsraum. Obwohl der Bundesrat versicherte es gehe nicht
um einen Beitritt zur EG, wogte der Kampf in den Medien um Pro und Kontra.
Was für die Einen ein Ausverkauf der Heimat ,
war für die anderen die dringend
notwendige Angleichung an Europa ohne die wir uns völlig aufs Abstellgleis
brächten. Da sich die Meinungen quer durch alle Schichten teilteq kam es wie es
kommen musste! Mt 50,8 Prozent Nein und einem klaren Ständemehr wurde der
Beitritt verworfen. Nachdenklich stirrmte das Ergebnis der gesamten
Westschweiz, die mit 80% dafür gestimmt hatte, während in der Deutschschweiz
mit ebenso hohen Neinanteilen abgelehnt wurde. Erfreulich war die hohe
Stimmbeteiligung, und das grosse Interesse des Volkes an Orientierungsveran-staltungen.
Wie sich das Nein des Volkes auswirken wird, werden die folgenden
Jalre zeigen. In unserer Region ist die Rezession spürbar, aber nicht in allen
Sparten gleich. Während die Bauwirtschaft unter den hohen Zinsen leidet, haben
andere Betriebe zufriedenstellende Jahresumsätze zu verzeichnen. Die Aöeits-losenrate
liegt bei 4,lolo gesamtschweizeriscll ist aber regional unterschiedlich.
Die Konkurse erreichten einen neuen Höchststand.
Der Einwohnerbestand in unserer Gemeinde beträgt: Thal 2 658, StaaÄ 2 275,
Altenrhein 648 Einwohner. Das heisst also, dass Staad im Gemeinderat genügend
vertreten sein wird in den nächsten 4 Jahren! Die Politik wird allerdings eher
geprägt sein von mageren Steuereingängen und der Arbeitslosenrate, als von
politischem Spektakel.
Die Chronistin: Esther Tobler

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2019-03-06T08:47:15+02:00