GESCHRIEBENE CHRONIK

Geschriebene Chronik 1993

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CHRONIK FUER DAS JAHR 1993
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Das neue Zeitalter ist angebrochen“ die Schweiz muss sich bewähren ohne EWR.
Zwischen freudigem Aufatmen und ohnmächtiger Enttäuschung war so ziernlich
jede politische Regung möglich. Wälrenddem das Politklima noch reichlich
frostig blieb anfangs Jahr, zeigte sich das Wetter viel zu mild. Wieder fiel kein
Schnee im Januar, und die Temperaturen waren zu mild füLr die Jalreszeit. Auch
wenn die Auswirkungen des Ozonlochs unbestritten sind auf unser Klima, gab es
doch immer wieder solche Launen der Natur.
Am l Februar konnte Gerneindeammann Flans Schlegel sein 20. jähriges
Arbeitsjubiläum feiem. Anscheinend eignet sich unsere Gemeinde recht gut füLr
langiährige Amtsträger, waren doch schon Schlegel’s Vorgänger Schläpfer und
Tobler sehr lange im Amt.
Der Umweltverträglichkeitsbericht des Abwasserverbandes Altenrhein bewilligte
die zweite Schlammtrocknungsanlage. Da Klärschlamm nicht in unbedenklichen
Mengen auf die Wiesen verteilt werden kanrq muss dieser getrocknet werde4
und kann dann in der Zementfabfü Untervaz als Heizmaterial gebraucht werden.
Am 19. Februar hielt endlich der Winter Einzug bei uns. Es fiel Schnee bis in
unsere Lagen und wurde kalt. ln den Bergen gingen etliche Lawinen nieder.
Der schmutzige Donnerstag lockte wieder über 700 Einwohner in die diversen
Lokale der Gemeinde, wo sie von 6 Klicken unterhalten wurden mit Moritaten
aus dem täglichen Leben.
Zu zweifelhaftem Ruhm kam die Ortsgemeinde Thal, weil an ihrer Rechnungs-gemeinde
im März die vietnamesische Familie Quach nicht wie vom Rat
vorgescl agen eingebürgert wurde. Der Familie wurde vorgeworfen, den
Wohnsitz bereits nach Aöon verlegt zu habe4 und sich im Dorf nie assimiliert zu
haben. Wie üblich bei negativen Schlagzeile4 berichtete der Blick und unser
Schweizer Fernsehen über diese böse Tat!
An der Gemeindeversamfi ung wurde der neue Projektierungskedit ftir eine
Doppeltumhalle Buchen gutgeheissen.
Ebenso ersucht die Sekundarschule um einen Kredit zur Planung einer
Erweiterungsbaute. Die Schülerzahlen werden analog der Primarschule in den
nächsten Jahren rapid ansteigen.
Der Steuerfuss wurde um 50% erhöht.
Nachdem sich der März noch recht kalt päsentierte, drückte der Frühling
plotzlich mit aller Macht durch. Allerdings wurde die Blustzeit von nassem
Wetter und kalten Nächten nicht verschont. Mitte April beginnt die Heuernte in
der Region.
Die Ortspartei FDP wählte den Buchner Robert Raths zu ihrem Parteipräsi-denten.
In Bern wurde nach turbulenten Parteiquerelen Ruth Dreyfuss zur Bundesrätin
gewählt. Sie ersetzt Bundesrat Ren6 Felber.
Das Trachtenchörli Thal feiert sein 3Ojähriges Bestehen.
Der für Buchen vorgeschlagene evangelische Plarrer Kuster aus Thal, zieht seine
Kandidatur aus gesundheitlichen und persönlichen Grtinden zurück. Eine Pfan-wahlkommission
macht sich aufdie Suche nach einem neuen Pfarrer.
Pfarrer Enz wurde nach l0jähriger Tätigkeit in unserem Dorf in einem Fest-gottesdienst
verabschiedet.
Die Mtglieder des Dorftheater Staad feierten wiederum grosse Erfolge mit dem
ftück
„sTlerz
am rächte Fleck“. Sämtliche Vorführungen waren ausverkauft.
Das Trachtenchörli Thal reiste aufEinladune des chinesischen Bauemverbandes
für 14 Tage nach China. Auch aus Buchen und Staad reisten einige Begleiter
und erlebten ein äusserst ungewöhnliches Ferienerlebnis.
Auf dem Flugplatzgelände im Altenrhein sollte ein Lager verschiedener
Religionen erstmals durchgeführt werden. Mit cfuka 4000 Teilnehmern wäre
vermutlich das grösste Camp in unserer Region geworden. Es erubrigte sich
allerdings dann über Sinn und Zweck einer solchen Veranstaltung zu diskuti
Ein überaus heftiger Gewittersturm mit Hagelschlag zerstörte innert wenigen
Minuten die Infrastruktur des Lagers. Zum Glück gab es nur wenige
Leichtverletzte. Ein grosses Zelt wurde vom Wind auf die nebenstehende
Flughalle geworfen. Regen und Hagel verwan-delten das Gelände in einen
Morast. Die Lagerleitung entschloss sich zu einem sofortigen Abbruch des
Lagers. Die Feuerwehr, sowie der Samariterverein leisteten Soforthilfe.
der Helfer erlebte zum ersten Mal eine so chaotische Situation stellte doch die
Realitat jede Fiktion in den Schatten. Der Einsatz aller Helfer stand unter der
Leitung von Stefan Mullis, und wurde sehr gelobt. Die Kosten bleiben als
Andenken der Gemeinde Thal.
Der Sturm hinterliess aber auch in unserern Dorfunzählige Schäden. Bäume
wurden geknickt, die Wandverkleidung an der Tennishalle wurde weggerissen
und in Gärten und Balkonen hingen klligliche Reste des Blumenschmucks.
nach diesem Sturm wollte sich der Sommer nicht recht bemüLhe4 es gab kaum
richtig warme Sommertage im Juli.
In der Nacht zum 31. Juli wurden auf dem Friedhof Buchen cirka 30 Gräber
geschändet. Die Grabsteine wurden reihenweise umgekippt und der Blumen-schmuck
zerstört. Ob diese unsinnige Tat von jugendlichen Krliften stammte
gezielter Vandalismus im Spiel war, blieb bis heute im Dunkeln. Die
Ermittlungen hielten sich in engen Grenzen und zeigten keine Ergebnisse.
Am 14. August wurde bei prächtigem Wetter die Hörnlibuckanlage festlich ein-geweiht.
Obwohl die Anlage zu Rorschacherberg gehört, wird sie natürlich auch
von den Staadem gerne benutzt. Die schön gestaltete Anlage mit llafen wurde
von Neptun persönlich besucht und getauft. Der Rorschacherbergler Gemeinde-ammann
versprach in seiner Ansprache die Realisierung eines Seewegs nach
Rorschach. Hoffentlich ist in diesem Versprechen mehr Substarz als in der
versprochenen Seewegplanung auf unserem Gemeindegebiet Richtung
Altenrhein.
Der Monat August zeigte sich von bester sommerlicher Seite. Der Wetter-umsturz
Ende August brachte einen Temperatursturz von 3l auf 14 Grad.
rekordverdächtige Absturz machte dem Sommer den Garaus. Heftige
Sturmwinde und sintflutartige Regengüsse suchten wieder vereinzelte Gegenden
heim.
Die Badesaison ging dem Ende zu. Wieder waren 12 Menschen im Bodensee
ertrunken. Die SchiFahrtsbetriebe mussten wegen des schlechten Wetters
erhebliche Einbussen in Kauf nehmen.
Am 12. September konnten die evangelischen Stimmbürger endlich einen
wählen. Der 3Ojährige Jürg Jäger kommt aus Einsiedek\ und nahm seine Arbeit
bereits am 1. Oktober in Buchen Staad und Altenrhein auf Freude henscht!
Für den Neubau eines Pfarrhauses bewilligten die Stimmbürger grosvügig ei
Kredit von Fr. 830.000. Das alte Pfarrhaus soll abgerissen werden, da eine
sinnvolle Renovation nicht möglich wrire.
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Am 24. September konnte der Autobahnzubringer Meggenhus eröftret werden.
Staad erhoft sich eine merkliche Erleichterung vom Durchgangsverkehr. Es
wäre den Anwohnern zu wünscheq dass die Verkehrslawine endlich wieder
erträglichere Ausmasse annimmt.
Yom 24. –
26. September berherbergte Buchen die Jubiläumsgewerbeschau des
Gewerbevereins Thal-Staad-Altenrhein. Die Tennishalle wurde zur
Austellungshalle umfunktioniert. Nach grosser Vorarbeit konnte am Donnerstag
im Beisein von etlicher Prominenz die Austellung eröffiret werden. Hanspeter
Trachsel als OK-Präsident und Emst Höchner als Gewerbevereinspräsident
waren denn auch erleichtert über den grossen Anklang den die Ausstellung
erlebte. Obwohl sehr viele Helfer benötigt wurden, kam die Festfreude der
Einheimischen nicht zu kurz. In der Austellung herrschte während drei Tagen
Halle-7 Stimmung! Das Begleitprogramm im Festzelt ging etwas im Festrummel
unteq aber es war sicher eine denkwtirdige Gewerbeausstellung in einer doch
schwierigen Zeit. Die Rezession nagt auch in unserer Gemeinde in den
verschiedensten Branchen. Konkurse und Entlassungen waren keine Seltenheit.
Vorallem ältere und schwer vermittelbare Arbeitnehmer haben keine Chance.
Kleine Anzeichen von Konjunkturanstieg waren zwar vorhandeq brachten aber
keinen Durchbruch.
Auch für die Kleinbanken wehte ein rauher Wind. Viele Geldpraktikeq die in der
Hochkonjunktur gang und gäbe waren“ drücken plötzlich schwer.
Zusammenschlüsse mit Grossbanken oder Fusionen konnten oft das Schlimmste
verhindern. Auch unsere Raifaissenbank Staad wurde mit Thal vereint, um
Kosten zu sparen. Oh wohl dieser Gemeinde, die als einzige Sorge um den
zukünftigen Namen der Bank streiten konnte.
Der langjährige Filialleiter Peter Morgenroth suchte Entlastung von seinem
Posten. Der rasante Zuwachs der Bilanzsumme erforderte auch immer mehr
Einsatz, was gesundheitlich nicht ohne Folgen blieb. Als Nachfolger wurde
Markus Brunschweiler aus Tübach ernannt.
Die FFA Altenrhein, die etliche Entlaszungen vomehmen musste in den letzten
Iahren“ konnte endlich auch einmal gute Nachdchten melden. Im Zusammenhang
mit Kompensationsgeschliften fflr den Kampflieger F/A 18 konnten Verträge
unterschrieben werden. Der Bund erteilte die uneingeschränlte Freigabe des
Instrumentelandesystems. für den Flugplatz Altenrhein.
Die Traubenemte wurde durch ausserordentlichen Wespenfrass und Fäulnis stark
geschmälert. Der Oechslegrad blieb zwar unter den Rekorden vom Vorjahr, aber
es wird ein guter Jahrgang werden. Die schwache Emte wird vielerorts das
Problem der vollen Lager lösen.
Die Obsternte fiel unterschiedlich aus. Aus den llagelgebieten kam wenig
Brauchbares zur Mosterei, daneben war die Qualität sehr gut.
Der früheste Wintereinbruch seit 20 Jahren überraschte die Ostschweiz am 22.
mit Oktober. Schnee bis in die Niederungen. Die Temperaturen fielen bis zum
Nullpunkt. Es passte allerdings zu diesem wettermässig etwas venückten Jahrl
Die Stimmberechtigten von Thal und Staad stimmten dem Erweiterungsbau der
Oberstufe zu. Ein Ilartplatz wurde abgelehnt.
Von zwei verdienten Staadern musste Abschied genommen werden . Arnold
Matter der in der Gemeinde gewirkt hatte, und Robert Schallenberger der als
Schulrat tätig war.
Der Gemeinderat Thal wählte füLr den abtretenden Feuerwekkommandanten
Kurt Etter, neu Arthur Knecht aus Thal. Kurt Ette/s Amtszeit rir’ar von über 400
Ernstfiillen geprägt.
wurde die Weihnachtsbeleuchtung ergänzt durch Lichterbäumchen und
Häuserschmuck.
In Europa herrschte Hochwasser und füLr viele war eine Feier im eigenen Hein
möglich. In Restjugoslawien herrschte Krieg, und die Nachrichten von frierenden
und hungernden Menschen haben kein Ende. Vielleicht helfen sie etwas, unsere
Probleme nicht zu Überbewerten.
Die Bautätigkeit in Buchen und Staad beschränkte sich aufwenige private Bauten.
Beim Schulhaus Buchen entstanden zwei Mehrfamilienhäuser. Etliche Wohnungen
in Staad stehen leer. aber alle in der oberen Preisklasse. Der Handel mit
Liegenschaften wurde etwas lebhafter.
Die Lohnverhandlungen schwanlilen zwischen 3,5olo Teuerungsausgleich und Null.
Der markante Rückgang der Hypozinsen brachte vielen Hausbesitzern etwas
Erleichterung, den Metem aber nicht überall die erhofüe Zinssenkung.
Die Chronistin möchte Ihre Aufzeichnungen schliessen mit einem Zitat von
Ständerat Rüesch: Es geht uns wirklich miserabel, aber auf sehr hohem Niveautl
Die Chronistin: Esther Tobler

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2019-03-06T08:45:15+02:00