GESCHRIEBENE CHRONIK

Geschriebene Chronik 1994

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CHRONIK FEUR DAS JAHR 1994

Das neue Jahr stand unter dem Motto,

Only bad news are good news“ !
Der viel zu warme Januar brachte Schneeglöckchen zum blühen und verftihrte zu
allen möglichen Prognosen, wie Erderwärmung infolge der Ozonlöcher etc.
Tatsache war aber, dass solches immer wieder vorkommt, und dass der Januar
nur etwa 2o zu warm war im Mittel der Jahre.
Die Rheintaler Firmen präsentierten ihre Bilanzen, die weniger schlecht
ausgefallen waren als be-fürchtet. Allgemein wurde ein Aufschwung ftir 1994
erwartet, man glaubte ans Licht am Ende des Tunnels. Die Personalbestände
waren aber trotzdem reduziert worden beim grafischen Gewerbe, Chemie,
Kunststoff, Maschinenindustrie und im Baugewerbe.
Am 24. Januar machte wieder einmal ein Flugzeugabsturz in den See
Schlagzeilen. Eine Cessna 425 wurde vermisst und am 2. Februar auch auf
Grund entdeckt. Unser Dorf wurde von Reportem richtiggehend heimgesucht.
Dutzende von Schaulustigen verfolgten die Bergung des Wracks und der
Leichen. Nachdem ein verantwornrngsloser Schreiberling das Gerücht in die
Welt setzte, das Flugzeug habe Cäsium 137 aus dem Osten an Bord,
überschlugen sich die Mel-dungen. Die Behörden waren gez*ungen laufend
Messungen über eventuell vorhandene Radio-aktivität zu machen. Das Flugzeug
wurde rasch geborgen und zur genauen Untersuchung nach Deutschland
überftihrt. Anhand der Spuren war die Cessna mit 5 Personen und einem Hund
an Bord unterwegs, als sie über dem See in Schwierigkeiten kam. Nach einer
geglückten Notwass-emng, verliessen die Passagiere die Maschine, erhanken
aber anschliessend im kalten Wasser. Kein Wort zur menschlichen Tragödie war
in den Medien zu lesen, nur Verdächtigungen, obskure Zusammenhänge mit
Menschenschmuggel, zwielichtigem Handel über die Ostgrenze etc. brachte die
Presse ins rotieren.’Nachdem drei Leichen geborgen waren, wurde die Suche
eingestellt und die Wogen glätteten sich nicht nur über dem See.
Die Bevölkerung war anfangs Februar eingeladen, die neue Ortsplanung unserer
Gemeinde zu studieren. In einer öffentlichen Vemehmlassung konnte jedermann
Stellung nehmen, wie sein Lebensraum erhalten oder gefürdert werden sollte.
Aus dem Planungsbericht der Gemeinde möchte ich folgendes Zitat lesen:
Insbesondere die Hauptshasse Staad hat das Gesicht des ehemaligen Fischer-dorfes
stark entstellt. Eine ohne jeden Gestaltungswillen beziehungslos als
Verkehrsschlucht durch den Ort gelegte Staatsstrasse, lässt jegliche räumliche
Qualität vermissen. Hier sollte bei Bauvorhaben wieder versucht werden durch
Verschmälerungen, Verkehrs-beruhigung und strassenbegleitende Pflanzurgen
wieder etwas Wohnqualitat zu schaffen!
Nach 20 Jahren Begradigung und bedingungslosem Ausbau der Sfassen mutet
dieser Artikel sehr seltsam an. Warum wird die Bevölkerung eigentlich nie
vorher befragt? Die Vekehrskontrollen in Staad im Februar ergaben in Staad
wiederum 4070 Schnellfahrer !
Aber es gab doch auch gute Nachrichten im Februar. Es fiel endlich etwas
Schnee und es wurde winterlich kalt. Die Klickenfasnacht lockte wieder über
Menschen aus den Häusem zur Unterhalturg und Erbauung.
Dann folgte wieder ein Hammerschlag für unsere Gemeinde, in der Tucanobar
beim
„Weissen
Haus“ Altenrhein wurden bei einer Messerstecherei zwei
Personen getötet und zwei verletzt,
Die vorwiegend vom Milieu besuchte Bar wurde darauftrin geschlossen. Die
Täter konnten im Verlaufe des Sommers verhaftet werden.
Am 12. März waren alle Interessierten eingeladen zum Tag der offenen Ttire im
Schützenhaus Buchen. Alle 10 Scheiben waren mit einer elektronischen
Zeiger anlage ausgerüstet worden..
Das kantonale Schützenfest im Rorschacherberg war auf unseren Schützenstand
angewiesen als Ausweichstand, deshalb wurde er in Rekordzeit modemisiert.
Schützen der beiden örtlichen Schützenvereine leisteten viele Stunden
Fronarbeit.
Auf private Initiative von Familie Benz, wurde ein Hilfstransport mit Kleidem
und diversen anderen Sachen fi.ir Albanien zusammeneestellt. In Rekordzeit
aus unserer Gemeinde eine grosse Sendung beisammen. Willi Fürer begleitete
den Transport ins Armenhaus Europas, und konnte für eine Ueberff.ihrung in die
richtigen Hände garantieren.
Nach dem Motto : grüne Weihnacht weisse Ostem, lag tatsächlich auch in
unserer Region Schnee über die Ostertage. Die Temperaturen fielen urter Null
und verhinderten damit eine frühzeitige Osterhasenschmelze. Auch die farbigen
Eier waren ohle grossen Aufivand gut zu finden auf der weissen Unterlage.
Am schmutzigen Donnerstag war der Spatenstich ftir die neue Doppeltumhalle
Buchen erfolgt. Nun gingen die Bauarbeiten zügig voran. Es wurde höchste Zeit
die Einweihungsfeier vorzubereiten. Da den Staadem ein Megafest
wurde auch ein Monster-OK mit 26 Personen aufgestellt. Die Ausserrhoder
Prominenz, das heisst Gemeinde- und Schulräte waren gut vertreten!
Das Wetter liess sich im Mai äusserst regnerisch und unfreundlich an. Während
der ganzen Blütezeit der Obstbäume konnten die Bienen nie richtig fliegen, an
eine Heuemte war nicht zu denken. Anfang Juni endlich zog der Frtfüsommer ei
und beendete die Heizsaison endgültig.
Am 4. Juni wurde in Staad der Jugendtreff
„Breakpoint “
im ehemaligen
Billardcenter beim Adler eröffnet. Verschiedene Eltem und Lehrer hatten eine
provisorische Trägerschaft übemommen, und wollen für eine Versuchsperiode
von einem Jahr auch die Beheuung gewährleisten.
Der FC Staad konnte mit Erfolg sein Jubiläumsgrümpeltumier durchftihren. Der
Laufträff Bützel erfreut sich grosser Beliebtheit, und war an einigen
Laufrneetings in der Schweiz vertreten.
Der Männerchor Staad holte sich unter Leituns von Bruno Stillhard am
kantonalen Sängerfest in Rorschach ein sehr gut. Ebenso erfolgreich kehrten die
Musikantinnen und Musikanten der Musikgesellschaft Altenrhein-Staad vom
Kantonalfest Jona nach Hause. Herzliche Gratulation an alle Vereine! Ein akti
Vereinsleben ftirdert die Wohn- und Lebensoualität eines Dorfes!
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Der Sommer war gehörig eingezogen über Europa! Eine Hitzewelle, verursacht
durch ein stabiles Hoch brachte täglich Temperaturen über 30o. Alte und kanke
Menschen wurden aufgefordert viel zu trinken, und ebenso wie Kinder wegen
der hohen Ozonwerte nicht an die pralle Sonne zu gehen. Für die Badegäste war
das Wetter natürlich herrlich.
Am 25. Juli musste emeut ein privates Flugzeug notwassem vor Staad. Anders
als im Winter, waren viele Boote auf dem See, und konnten das deutsche
Ehepaar retten. Dafür wurde der Zwischenfall kaum in der Presse erwähnt.
Auf dem Gelände der FFA organisierte der Kavallerieverein Rorschach und
Umgebung ein Fahrtumier ftir Ein- und Zweispänner. Bei herrlichem Wetter
kamen viele Gespannfahrer, um sich im Gelände zu bewähren. Bei einem
Schaufahren mit Vierspänner kamen die Zuschauer ins Schwärmen über so viel
Eleganz. Gespannfahren gehort zu den Leckerbissen im Pferdesport.
Ein besonderes Erlebnis war auch die l. Augustfeier irn Bädli Staad. Begonnen
wurde am Morgen mit einem reichhaltigen Bauemfrühstück, zubereitet und
serviert von den Bäuerinnen der Gemeinde. Uebe_r 200 Personen benutzten die
Gelegenheit bei erstmals freiem Nationalfeiertag_./\nschliessend war Spiel und
Plausch angesagt zum Jahr der Familie. Unter dein Motto
„Cool
bleiben“
konnten verschiedene Tests absolviert werden. Mit der Bundesfeier wurde der
prächtige Tag abgeschlossen Die Ansprachen zum Thema Familie hielten
Schwester Paola-Maria aus Thal, die 20jährige Regina Zingerli aus Buchen
sowie der reformierte Pfarrer Jäger.
Der Monat Juli zeigte sich als Wundersommer mit einem Klima wie am
Mittelmeer! Es war seit 110 Jahren der wärmste Sommer mit insgesamt 25
Hochsommertagen über 25o. Jeder der seine Ferien anderswo gebucht hatte war
selber schuld! In dieser saure Gurkenzeit kam die Meldung aus dem
Gemeindehaus, dass aus dem Dorfe Buchen ab sofort wieder Buechen gemacht
werde!
Alle Ortsschilder die vor ein paar Jahren entfemt worden waren, weil
Schriftgelehrte Büchen gelesen hatten, wurden nun wieder montiert. Ein
schwerwiegender Expertenstreit konnte somit beigelegt werden, es sei denn, die
Geschichte bekäme noch ein weiteres Kapitel.
Die Geschichte körmte auch den Pächter des
„Hooki
Staad“ inspiriert heben zu
BocksprüLngen,. konnte man doch an einem Wochenende aus 70 Meter Höhe am
Gummiseil über dem See das neuste Nervenkitzel Bungy-Jumping betreiben.
Nach den Sommerferien begannen im Riedtli Staad die Bauarbeiten zum Kreisel
bei der Altenrheiner Orts-Einlahrt. Umrahmt soll das neue Strassenstück von
zwei neuen Tankstellen werden. Nachdem Staad ja in den letzten Jahren bis auf
zwei Tankstellen zusammengeschrumpft ist, soll nun eine neue Blütezeit
entstehen.
Bei einem Bootsbrand im Marinahafen Altenrhein wurden 7 Boote zerstört. Der
Sachschadeh belief sich auf mehrere Fr.l00’000.-Die Feuerwehr musste
Oelsperren errichten und aufräumen. Die Brandursache blieb ungeklärt.
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Die mit Spannung erwartete Abstimmung über den Ausbau Flughafensaal
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Altenrhein und Bühnenanbau Tumhalle Buechen brachte eine grosse
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Uebenaschung. Mit 2/3 Neinstimmen wurden beide Vorlagen wuchtig abgelehnt.l
Es breitete sich Emüchterung aus in den Kreisen der Saalbaukommission.
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Parteien und Vereine wurden verdächtigt nicht voll hinter dem Saalkonzept
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gestanden zu haben. Das grosse Fest OK legte seine Arbeit nieder und begab sichl
in den Schmollwinkel. Die Schule wird sich bemühen doch noch ein
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Einweihungsfest auf die Beine zu stellen. Wahrscheinlich war es j a nur
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Steuerfuss der auf seinem Zwischenhoch Macht ausübte. Die Briiftasche sitzt
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doch den meisten Bürgem direkt vor dem Herz!
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Ebenfalls Geld spielte eine wichtige Rolle beim Streit zwischen der FFA und der I
Pilotenschule Altenrhein. Während die Pilotenschule pleite ging, beschuldigte
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der Leiter H. Holzner äen FFA Besitzer Gautschi, betrügerischer
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Machenschaften. Gautschi selber will nichts von Turbulenzen bei seiner Firma
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wissen, er behauptet die FFA liege im Aufuind. Die Wahrheit wird irgendwo in
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der Mitte liegen, wie immer.
Der Frauentreff Buechen konnte mit einem festlichen Gottesdienst ein für das I
KGH gestaltetes Wandbild einweihen. Es umfasst die 4 Elemente und wurde in
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einjähriger Arbeit von den Frauen aus Buchen, Staad und Altenrhein gestrickt
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und genäht.
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Der evangelische Kirchenchor feierte sein 75jähriges Bestehen mit einem
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Singgottesdienst und einem Gemeindeapöro.
Am 17. Oktober konnte der Kreisel in Betrieb genommen werden. Von einigen
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Autofahrem wurde er bereits durch und überfloeen.
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Die Obstemte fiel in unserer Region sehr spärlich aus als Folge des kalten
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Frühlings. Die Weinemte jedoch lag bei einer mittleren Emte und mit einem
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Oechsleschnitt von 84.68 über dem
Mittel. Mit dieser Grundlage werden die Kellermeister einen guten 94 Jahrgang
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zubereiten.
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Der Staader Bahnhofoorstand Willi Kellenberger wechselte nach Hom. Die Tage I
des bedienten Bahnhofs Staad sind vermutlich bald einmal gezählt.
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Am 29. Oktober konnte jedoch die Bevölkerung teilnehmen an einer
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denkwürdigen Lok-Taufe.lEine Zugkomposition Pendolito erhielt den Namen
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Thal-Staad-Altenrhein. Wdnigstens enstand kein Streit über den Ort der Taufe, erl
fand im einzigen Bahnhof der Gemeinde statt! Die Feier wurde umrahmt von der I
Musikgesellschaft Staad-Altenrhein und Buchner Schulklassen. I
Die Bautätigkeiten in Staad und Buchen entsprachen in etwa den letzten Jahren, I
Mehrfamilienhäuser neben dem Seeblick, Einfamilienhäuser im Knüli und der
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Tumhallenneubau auf dem Bützelareal. Dabei wurde eine Offenlegung des
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Bärlochenbachs lZings der Tumhalle verlangt. Unsere Bürokratie lässt grüssen.
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Im Dezember wurde eine Unterschriftensammlung lanciert im Dorf. Ziel, eine
mobile Bühne für die neue Tumhalle. Ebenso die Anschaffung von Tischen und
Stühlen, Akustik und Beleuchtung Die Petition wurde der Gemeinde übeneicht,
mit dem Wunsch den Betrag ins Budget 95 aufzu-nehmen. Das letzte Wort
werden die Stimmbürger haben.
Eine Staubexplosion in der ARA Altenrhein am 16. Dezember beschloss das
Kapitel Unf?llle und Verbrechen 1994 . Die Feuerwehr war mit 48 Mann im
Einsatz, Verletzt wurde glücklicherweise niernand.
Rechtzeitig auf Weihnachten stellte sich der Winter auch bei uns ein. Es schneite
richtig und bescherte so vielen erst richtige Weihnachten. Unser Dorf wm mit
Stemen und Weihnachts-bäumen wieder festlich geschmückt und eine
Konsumlawine rollte durch die Gegend.Alle wollten vor Beginn der MWST
noch gtinstig einkaufen!
Die minime Teuerungsrate der letzten Jahre wirkte sich auch auf die
Lohnverhandlungen aus. Praktisch stagnieren die Löhne seit der Rezession, mit
Ausnahme von wenigen Branchen. Die Konkurse sind immer noch
zahlreichjedoch häufen sich Privatkonkurse sowie leichtsinnig herbeigeführte
Geschäftskonkurse.
Die Arbeitslosigkeit liegt bei 4,5%, der starke Franken macht der Exportindustrie
Bauch-schmerzen. Ich möchte schliessen mit einem Zitat von Goethe:
„Wie
selten ist der Mensch mit dem Zustand zufrieden, in dem er sich befindet!
Er wünscht sich immer den seines Nächsten, aus dem sich dieser gleichfalls
heraussehnt.
Die Chronistin: Esther Tobler- Tanner

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2019-03-06T08:40:11+02:00