GESCHRIEBENE CHRONIK

Geschriebene Chronik 1997

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Chronik 1997
Viele Menschen versäumen das kleine Glück, weil sie vergeblich auf das grosse
warten.
Pearl S. Buck
Wer im Jahr des zaghaften Aufschwungs nicht die kleinen Verbessenrngen
erkennen kann, verpasst das Leben. Vor lauter jammem über die 570
Arbeitslosen in unserer Region, vergessen wir die 95% Anderen. Natürlich
schlagen die Krankenkassen wieder auf und die AHVJV Kasse liegt bedenklich
im minus, aber Probleme sind da um Lösungen zu finden. Im Z,eitalter der
Raketen und der weltweiten Vemetzung dank Intemet sind dies
„Peanats.“
Der Konkurs der Rappi AG beschäftigt nicht nur die Altenrheiner Bevölkenrng.
Das ganze Areal des Marina-Freizeithafens soll endlich wieder Ausflugsziel
werden ftir Familien und Wassersport-Freunde. Das Restaurant und teilweise die
Anlagen sind in marodem Zustand und werden dem neuen Besitzer einigeS
Kapital abverlangen. Eine Genossenschaft Ferien und Freizeitpark Marina-Hafen
möchte den ganzen Komplex aus der Konkursmasse kaufen. Die Gemeinde will
sich mit 250 000 Franken beteiligen, ebenso die Ortsgemeinde Altenrhein mit
200 000.-Fr. Einen privaten Käufer will man nicht unterstützen. Von den Banken
erwartet man einen Anteil um 50 %.
Die Kosten ftir das ganze Areal schätzt man auf 22 Mio Franken. Cirka 9 Mio. in
Anteilscheinen sind bereits zugesichert.
Rund um das Flugplatzgelände Altenrhein wurde ein Hindemiskataster erstellt.
Damit werden zulässige Höhen füLr Bauten und Bäume verbindlich festgelegt.
Im Streit um die Bergungskosten des Chessnaabsturzes vor 3 Jahren kam es zu
einer Einigung.
An die Kosten von rund Fr. 130 000.- erhält der Kanton vom Bund Fr. 35 000,
der Rest muss vom Kanton bezahlt werden. Das Amt für Feuenchutz hat noch
keine endgültige Kosten fta Polizei und Chemie-Einsatz errechnet, die
Bevorschussung wurde durch die GVA geleistet. Welches Amt auch immer die
Kosten übemimmt, bezahlen wird es der Steuerzahlerl
Als Reaktion auf den neuen Zonenplan gingen 44 Einsprachen ein auf dem
Gemeindeamt.
Für die Gemeindeangestellten beschloss der Gemeinderat 1997 eine Nullrunde.
Zum Jahresbeginn konstituierten sich die Schulräte neu. kn Primarschulmt waren
wegen sechs Neuen sämtliche Charchen neu zu besetzen. Im Oberstufenschulrat
waren 2 neue Räte hinzugegekommen. Grosse Verlinderungen waren auch in den
beiden GPKs zu registrieren.
Schindler Altenrhein verkauft ihr Geschäft mit Kleinserien im Wagenbau an die
Firma Stadler Bussnang. Von 75 Angestellten wechseln 70 zu Stadler, die
restlichen bleiben vorläufig bei Schindler.
Zum Kauf gehören Auflräge von 4oo Mio Franken. Vom Areal behält Schindler
45%o,20%o nbemimmt Stadler, der Rest soll verkauft oder vermietet werden.
Das Wetter im Januar ist rasch erzzhlt.2S Tage Nebel dri.ickten auch auch auf
’s
freundlichste Gemtit! Daftir war er extrem trocken. Der Februar begann mit 781
Wasser und bescherte uns, aber gleichzeitig 104 Stunden Sonne .Es war im
Durchschnitt 5,5

zu warm. Dies regte die Vegetation natürlich etwas zu früh an.
Trotzdem gab es auch Winterstürme und etwas Schnee bis in die Niederuneen.
Vor dem Bezirksgericht musste sich der Staader Arzt Un Benz verantwort.n. ,r-hatte
in einem Leserbrief zum Kindergartenneubau in Thal das Projekt als
überrissen und zu teuer beurteilt. Er kitisierte die hohen Architektenkosten und
die Baukosten von 2 Mio Franken ftir einen Doppel-Kindergarten. Das
Architektenbtiro RLC reichte Klage ein wegen falscher Behauptungen. Nicht
beklagt wurde der Vorwurf der Vetterliwirtschaft, weil verschiedene Angestellte
des RLC rnit dem Schulrat verbunden seien. Das Beziksgericht sah keine
Schädigung des Architekturbtaos, und sprach Dr. Benz frei. Die Bürgerschaft
hatte das Projekt an der Ume bereits verworfen.
Die Raiffeisenbank Staad-Thal kormte ein erfreuliches Ergebnis melden. Die
Bilanzsumme stieg auf 92,9 Mio, der Bruttogewinn lag bei Fr.230 000 .
Zigarctten in der Schweiz wurden teurer, das Paket kostet nun Fr. 4.10. Ein
Grund mehr, nicht meht zu rauchen, ausser man ist Aklionär einer Bank.
Harry Eggenschwiler, der Wirt des Restaurant Cockpit auf dem Flughafen
Altenrhein machte Schlagzeilen durch’s ganze Jahr. Zuent wurde er vermisst,
dann stellte sich heraus , dass
„Dirty
Harry“ wie er von seinen Freunden genannt
wurde einige Schulden hinterliess. Insgesamt cirka 1,5 Mio. Franken, und dann
meldete er sich aus Afrika wo er mit einem kleinen Flugzeug unher dümpelt. So
rasch wird ihn das Heimweh nicht zurückbringen.
Die Giftmiillstelle bei der ARA Altenrhein soll ausgebaut werden Mit 172 t
Giftmüll wurden 50% des Giftmillls unseres Kantons entsorgt. Die
Annahmestelle in Widnau wird dagegen aufgelöst.
Mit 200 000 fubeitslosen eneichte die Ostschweiz einen historischen Höchst-ä
|
stand von 5.7%.
filDie
Gemeinden in der Region meldeten emüchtemde Steuereingänge als
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logische Folge. Als wichtigste Massnahme wurde die Ankurbelung des
Lehrstellenmarktes gefordert. Wer keine Grundausbildung vorweisen kann,
landet rasch auf der Arbeitslosenstelle.
Laut Statistik nimmt der Durchangsverkehr in Staad ab. es wurden 5 281 119
Fahrzeuge ermittelt. Rorschach möchte die Realisierung eines durgehenden
Radstreifens zwischen Staad und Rorschach forcieren.
Die evangelische Kirchgemeinde wliblte anstelle des abtretenden Buchners
Walter Htini, Lina Wagner aus Thal als neue Kirchenratspräsidentin.
Die katholischen Kirchbtuger erkoren Rudolf Dudler zum Nachfolger von B.
Stillhard.
An der Delegiertenversammlung des Samariterbundes erhielten Kathrin Giger
Buchen, Emst Niederer Buchberg und Judith Kuster Thal die Henri Dunant
Medaillen ftir 25 Jahre Mitarbeit in den hiesigen Samaritervereinen. Herzliche
Grahrlation zu dieser nicht alltäglichen Anerkennung.
Mit einem Muttertagskonzert erfreuten die Musikgesellschaft Staad-Altenrhein
und der Männerchor Staad nicht nur Mütter. sondem alle Zuhörer aus der
Umgebung.
Die lridensgeschichte der Restaurants und Gasthäuser im Dorf geht weiter. Das
einst renommierte Gasthaus
„weisses
Rössli“ in Staad, das bereits seit Januar
geschlossen war, kommt in Konkun. 3 Mio Schulden lasten auf dem Haus, tmd
machen einen freien Verkauf eher unwabrscheinlich.
Im weissen Haus beantragte das Konkursamt die Ausweisung der Casa Betriebs
AG , welche die Schliessung mit einem Rekurs ans Kantonsgericht aufireben
wollte. Die Bootsolätze wurden direkt von der Konkursverwaltune vermietet.
Nach einem recht milden Frühling und einer guten Heuemte in unserer Regiorl
zeigte sich der Juni regnerisch und trilb. Es regrete an 21 Tagen, was zwar nicht
untypisch ist ftir die Meteorologen, nur lästig für uns Bewohner.
Der schwächere Franken verhalf der Wirtschaft zu einer leicht steigenden
Konjunktur. Die Arbeitslosenrate sank auf5,1% bleibt aber immer noch kritisch.
Ein langsames Frühlings-Erwachen wird aber allgemein registriert.
In Tschechien und Polen entstand durch tagelangen Dauerregen, entlang der
Oder-Neisse eine Jahrhundertflut. Die alten Dämme hielten den Fluten nicht
mehr stand, und die Wassermassen w?ilzten sich in Richtung Deutschland, wo
zahlreiche Dörfer evakuiert werden mussten.
Im Buriet wurde nach kurzer Umbauzeit die

Arena

eröffiiet mit einem
gigantischen Aufuand. Das neue Unterhaltungszentrurn ist mehr als eine Disco,
es ist ein Vergnügungstempel der neuen Art, und soll flir jedes Alter etwas
bieten.
Während der Ferienzeit im Juli lag das Referendum zum neuen Zonenplan
unserer Gemeinde auf.
Die Familie Dürr aus Staad sammelte Unterschriften, weil sie eine Verbesserung,
gegen die ihrer Meinung nach zu hohen Bauten in der Umgebung Seeblick
erreichen wollten. Obwohl die Familie seit 29 Jahren in der Gemeinde sesshaft
ist, wr.rde die Unterschriftensammlung als Spiessrutenlauf empfunden. Für
Bürger, die sich kaum um Politik kümmerten, bevor sie Schatten auf die eigene
Haustüre warf, war es eine schmerzliche neue Erfahrung. Das Referendum wurde
verfehlt, das letzte Wort zum Zonenplan liegt beim Kanton.
lm Pflegeheim Thal kam es zu einer Salmonellenvergiftung vemrutlich durch
eine Eierspeise. Mehrere hochbetagte Patienten überlebten diese akute
Erkrankung nicht. Auch aus Buchen und Staad waren Todesfälle dabei, wieweit
sie aber wirklich an Salmonellen oder an Altersschwäche gestorben waren,
wurde nicht gekltirt. Auf alle Fälle war das Femsehen auff?illig präsent in Thal,
wie immer bei schlechten Nachrichten.
Aber es gab auch Erfreulicheres. In einer volkstümlichen Sendung des
Femsehens wurde die Volkstanzgruppe Buchen als Teilnehmer der Sendung
„Wzihled
sie“ gemgen.Innert 12 Stunden galt es einen Aufoitt in Buchen
vomrbereiten, ebenso eine Festwirtschaft. Bei strahlendem Wetter und Ferienzeit
schafte es die Volkstanzgruppe unter der Leitung von Hanni Wohnlich, einen
Volkstanz vorzuführen als die Equipe des Femsehens vorfuhr. Im Beitrag der im
August dann ausgestrahlt wurde, kam unser Dorf sehr gut zur Geltung.
Der Sommer zeigte sich im Juli von der besten Seite. Die Wassertemperaturen
stiegen auf 2l-23o im See. Wir wurden auch verschont von heftigen Gewittem in
unserer Region. Ueber Sachseln und anderen Gemeinden der Schweiz löste die
Hitze schwere Gewitter aus die Jahrhundertschtiden hinterliessen .
Am 18. August fand auf dem Flugplatz Altemhein das Flugplatzfest statt. Es war
als Hauptprobe für die Flugtage 98 gedacht. Bei prächtigem Wetter loclte das
Fest über 30 000 Besucher hieher, die sich an den Vorftihrungen des fliegenden
Museums Altenrhein, der Patrouille Suisse und des FA l8 erfreuten. Weniger
Freude löste der Probeflug des Homet FA l8 am Donnerstag über unserem Dorf
aus. Die Tiefflüge über Staad und den umliegenden Dörfem erschrecklen
Mensch und Tier und waren sicher unnötig in diesem Umfang. Am Wochenende
wurde dann nach Protesten um einiges zahmer geflogen, es ginge also auch
vemünftig.
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abwehrend in der Ecke zu verhanen und zu schmollen.
Staad fiel auch die letzte Bastion. das Restaurant Löwen das seit über 30
von der Familie Müller geftihrt wurde. Die jetzige Generation will nicht
rund um die Uhr präsent sein, und mehr Zeit für ihr Familienleben haben.
Pächter wird das Restaurant weiterführen.
Der TV Thal organisierte die schweizerischen Gertitemeisterschaften in der
umhalle Buchen.
Tum und Sportanlagen im Bützel eigren sicb sehr gut für grosse Anlässe.
initiave Vereinsmitglieder und Dutzende helfende H2inde ist aber nichts zu
Oesterreich wurde die Staaderin Conny Stöckli zur Blondine des Jabres erkürt.
Mutter von zwei Kindem hatte sich spontan gemeldet in Ausssicht auf
oder ein Auto. Trotz des Sieges war die Veranstaltung ein Flop und ein
frustrierendes Erlebnis.
Rorschacherberg verstarb der langiährige Buchner Pfarrer Viktor Brunner.
seines Alters war immer noch öfters in Buchen anzutreffen. und seine
ichen Gottesdienste waren bei vielen beliebt.
wunderbaren Herbst bescherte uns das Wetter. 4Wochen mild und schön
Nebel !. Die Obstemte lag zwar unter dem Mittel aber war von guter
Die Sonne verhalfvor allem de Reben zu einem Oechsleschnitt von 92o
jeden Bordeaux neidisch machen könnte.
Tumerin Franziska Betschart der Geräteriege Staad konnte sich ftir den Final
Schweizer Meisterschaften qualifizieren. Sie erreichte im Test 6 den guten
Platz. Im Sektionswettkampf in Lenzburg wurden die Staaderinnen widerum
Meister am Reck, zweite am Stufenbarren und vierte am Boden. Im
ereinsgruppendreikampf in Abtwil glän4en die Klassierungen von Sabine
l. Miriam Tobler 4. Sandra Haltinner 6. und Sonia Hutter als I l.
Katholische Kirchenchor Altenrhein-Staad erfreute mit der böhmischen
in der Christkönigskirche eine grosse Zuhörerschar. Unter der
der quirligen Idlika Jakober wirkten Solisten und Musiker mit, und
rms einen wahren Ohrenschmaus.
der Winter bemühte sich redlich, etwas weihnächtliche Stimmung
ln den Bergregionen schneite es richtig ein und verhalf der
ourismusbranche zu guten Buchungen. Bei uns hielt sich die weisse Pracht
über Weihnachten. In unserer Region ist sowieso kaum jemand auf
Verhältnisse eingestellt, und die meisten mtichten den Schnee nur auf
Wiesen liegen sehen“ nicht aber auf der Strasse.
Weihnachtsgeschäft zeigte freundliche Züge in einer merklich verbesserten
zerstören Grossfusionen und Sparbemi.ihungen immer wieder
und verunsichem die Arbeitnehmer. Besonders die geplante
Rorschach im Rahmen einer kantonalen Sparübung gab auch rn
Dorf zu reden. Warum Rorschach? Warum Nicht? In der Medizin
dank neuer Techniken die Soitalaufenthalte immer kürzer. Dies führt zu
Bettenüberschuss und einer schlechteren Auslastune vor allem b€i den
Trotzdem ist ftir viele Menschen ein kleines Spital
. Wie lange aber kann in unserer Region die Spitaldichte gehalten
? Alles verändert sich und sparen schmerzt immer irgendwo. Vielleicht
es gut, Ideen zu suchen nach einem neuen Verwendungszweck des Spitals,
ln unserem Zeitalter muss uns jeden Tag bewusst seiq wie ersetzbarjeder
Mensch geworden ist, wir tun gut daran dies nie zu vergessen.
Dass andere Leute kein Glück haben, finden wir sehr leicht natürlich“ dass wir
selber keines haben, immer unfassbar. ( Marie von Ebner-Eschenbach)
DieChronistin:Esther Tobler-Tanner

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2019-03-06T08:43:13+02:00