GESCHRIEBENE CHRONIK

Geschriebene Chronik 2009

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Chronik des Jahres 2009
Seit Chroniken verfasst werden, ist jede Chronik auch ein Spiegelbild des Zustands der Gesellschaft,
der geltenden Werte, der ethischen Normen und des jeweils geltenden Zeitgeists. Unter diesem Gesichtspunkt
ist auch die Chronik dieses Jahres zu lesen.
Unglücksfälle und Verbrechen
Bei einem Brand in einem Büro des Gewerbezentrums an der Hauptstrasse ist am 7. Januar hoher
Sachschaden entstanden.
Unser Turnverein zeigte Ende Januar das Programm «Staadissimo». In Anlehnung an die beliebte
Fernsehshow ‚Benissimo‘ war eine vielseitige Abendunterhaltung der unterschiedlichen Riegen zu
sehen.
Sportlich zeigte sich auch unsere Kantonsregierung. In ihrem Präsidialjahr besuchte Regierungsratspräsidentin
Heidi Hanselmann unser Dorf. Unter dem Motto «bewegen und begegnen» absolvierte
sie mit der Hausfrauengymnastik eine Trainingseinheit.
Im Februar liess der Gemeinderat verlauten, dass die Verbindungsstrasse zwischen Thal und Staad
auf Thaler Seite bis zum Nagelstein saniert werden soll. Im Zuge der Sanierung soll die Strasse im
2010 massvoll verbreitert werden, wobei der Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer ein
besonderes Augenmerk gewidmet wird. Die Staader Oberstufenschüler erhalten dann eine noch
besser ausgebaute Velo‐Rennstrecke.
Unglücksfälle und Verbrechen
Am 18. Februar hat ein Autofahrer auf der Hauptstrasse die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren
und ist in eine Hausfassade geprallt.
Alle Jahre wieder erzählen unsere Fasnachtscliquen im Februar die eine oder andere Episode, was
fast alle lustig finden, aber doch nicht alle. Zitat aus einem Leserbrief einige Tage nach der Cliquenfasnacht:“
Bitte, liebe Cliquen, prüft den Inhalt eurer Beiträge auf den Wahrheitsgehalt und nennt nur
Namen, von denen ihr sicher seid, dass sie der Wahrheit entsprechen. Ich war die Person in erwähnten
Geschichte auf jeden Fall nicht.“
Im März feierte unser Naturschutzverein am Alten Rhein sein 25‐Jahr‐Jubiläum. Dieser Verein kümmert
sich seit einem Vierteljahrhundert mit grossem Einsatz um die Naturschutzgebiete und wunderschönen
Erholungszonen rund um den See und den Alten Rhein.
Der Verkauf des vor 15 Jahren erbauten Pfarrhauses an der Wilenstrasse stand im Frühjahr zur Diskussion,
da das Pfarrerehepaar ein eigenes Heim erworben hatte. Die Kirchbürger wehrten sich erfolgreich
gegen dieses Ansinnen, so dass diese Liegenschaft weiterhin im Eigentum der evangelischen
Kirchgemeinde verbleibt, aber in den nächsten Jahren weltliche Mieter beherbergen wird.
Während eines grossen Teils des Jahres stand an der Hauptstrasse in Staad ein «Fötelichaschtä», der
zu schnell fahrende Verkehrsteilnehmer ins digitale Fotoalbum aufnahm. Angesichts der zunehmend
rauen Sitten auf unseren Strassen sicherlich eine angepasste Vorbeugemassnahme.
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Unglücksfälle und Verbrechen
An einem Samstagnachmittag im April stürzte ein Kleinflugzeug nach dem Start rund 200 Meter vom
Ufer entfernt in den Bodensee, wo das Wasser lediglich 80 Zentimeter tief ist. Mehrere Personen
hatten das Unglück beobachtet. Sie konnten die Pilotin mit ihrem Boot bergen.
Rund vier Millionen Franken liess sich die Georges Bleiker GmbH das neue Recycling‐Logistikcenter
kosten. Abfälle und Altstoffe aller Art werden hier künftig entgegengenommen und entsorgt. An der
Rietlistrasse liess die Firma auf fünftausend Quadratmetern zwei grosse Hallen zur Entgegennahme
und Sortierung der Abfälle errichten. Die sechs neuen Arbeitsplätze finden alle toll, den lila Farbton
der Zelte nicht alle.
In Nachbarschaft der Bleiker GmbH im Gebiet Knottern, unmittelbar bei der SBB‐Bahnlinie haben die
Hündeler mit ihrem Hundeclub ein neues Trainingsgelände erhalten. Die Hunde scheinen sich mit der
lila Farbe der Zelte zu arrangieren. Vielleicht ist es ja Zufall, aber irgendwie passt es, dass der Abfallverwerter
seine Zelte in nächster Nähe des künftigen Standplatzes der Zigeuner aufgeschlagen hat.
Über dieses Projekt wurde bereits im Jahre 2008 informiert. Seither liegt es beim Kanton. Ende 2009
war der Durchgangsplatz noch immer nicht realisiert und niemand war darüber unglücklich, selbst
die Füchse im Fuchsloch vermissten die Fahrenden nicht.
Im Mai wurde die Anlegestelle im erneuerten Hafen Staad nach über dreissig Jahren wieder von allen
Kursschiffen angefahren. Damit ging ein langgehegter Wunsch in Erfüllung und Staad ist auf dem
Seeweg wieder offiziell erreichbar.
Unglücksfälle und Verbrechen
An einem Mittwoch im Mai kam ein Autofahrer in Staad mit seinem Wagen von der Strasse ab und ist
in einem Garten gelandet. Er war alkoholisiert.
Unglücksfälle und Verbrechen
Zwei maskierte und bewaffnete Unbekannte haben am frühen Morgen des 18. Mai den Hotelier des
Hotels Weisses Rössli an der Hauptstrasse überfallen. Die Täter erbeuteten Bargeld.
Bei der Gemeinde Thal lag im Frühling das Projekt für das letzte Teilstück des Seeuferweges von
Staad bis zur Mündung des Alten Rheins auf. Nach jahrelangen Verhandlungen konnte die Gemeindebehörde
mit allen Beteiligten Vereinbarungen abschliessen. Auch zu Landerwerb, Wegführung und
Nutzungsrechten beim Bootshafen Jägerhaus wurde eine Lösung gefunden. Somit ist absehbar, dass
die Gemeinde Thal bald über einen durchgängigen Seeuferweg verfügen wird und dieses grosse
Werk bald vollendet ist.
Es war am 20. Mai 1969, als die ETV‐Frauenriege Staad gegründet wurde. Deshalb konnte der Verein
heuer das 40‐jährige Jubiläum feiern. Es waren sogar einige der jung gebliebenen Gründungsmitglieder
präsent, welche dank regelmässigem Training sportlich, frisch und fit erhalten sind.
Unglücksfälle und Verbrechen
Am Donnerstagabend, 28. Mai, ist auf der Burietstrasse ein ausländischer Autofahrer von der Polizei
mit 140 km/h gemessen worden. Als die Polizei ihn kontrollieren wollte, gab er Gas.
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Der FC Staad hatte im Sommer einiges zu feiern. Das traditionelle Bützel‐Fest sowie den Aufstieg der
Frauen in die Nationalliga A, die höchste Schweizer Spielklasse. Dank des Aufstiegs gastierten Clubs
wie der FC Basel, die Grasshoppers oder die Young Boys bei uns auf dem Bützel. Ebenfalls aufgestiegen
ist die erste Herrenmannschaft des FC Staad. Die Mannschaft konnte von der dritten in die zweite
Liga promovieren, wo sie früher bereits gespielt hatte. Nach 36 Jahren trat Felix Rüst als Präsident
des FC zurück. Er hatte mit seinem Wirken die Entwicklung unseres Fussballclubs massgeblich geprägt
und erhielt bei den Rheintaler Sportlerwahlen dafür eine verdiente Auszeichnung. Die Donatorenvereinigung
«Club 25» schenkte den jungen Fussballerinnen und Fussballern des FC Staad 25 000
Franken. Mit dem Geld wurde ein neuer Mannschaftsbus finanziert. Ein Beispiel dafür, dass beim
FC Staad gute Juniorenarbeit geleistet wird, ist Nico Abegglen. Der ehemalige Junior schaffte den
Sprung in die erste Mannschaft des FC St.Gallen. Dort spielt er gegen den FC Basel, die Grasshoppers
und die Young Boys, also auf gleichem Niveau wie unsere Frauen.
Etwas skurril war die Situation auf unseren Strassen im Sommer 2009. Staad war umgeben von lauter
Baustellen mit vielen Strassensperrungen. Vor allem der Kanton hatte es fertig gebracht, verschiedene
Kantonsstrassen rund um unser Dorf gleichzeitig unpassierbar zu machen. Dies führte zu viel Ausweichverkehr
und die Autofahrer zeigten sich erfinderisch und wählten Nebensträsschen und Feldwege
als Ausweichrouten, was das Chaos zusätzlich vergrösserte.
Unglücksfälle und Verbrechen
Unbekannte sind in der Nacht auf den 14. Juli in ein Verkaufslokal an der Hauptstrasse eingebrochen.
Am 4. Juli haben 5‘000 Sportler unsere Gemeinde passiert. Die Gigathlon‐Teilnehmer schwammen
durch den Bodensee und machten sich danach auf Rollerblades auf in Richtung Rheintal. Nicht zu
übersehen war der grosse Begleittross dieser aufwendigen Sportveranstaltung.
Die Bundesfeier der Gemeinde Thal fand wiederum auf der neuen Hafenmole statt. Ein offerierter
Apéro, Musik von den Riverstones, Heugabel‐Cervelats, Rundfahrten mit der MS Rhyspitz, ein traumhafter
Sonnenuntergang und das gemeinsame Singen der Nationalhymne sorgten für beste Stimmung.
Obwohl «Musig am See» am verregneten 10. August nur rund 300 statt wie sonst 700 Besucher verzeichnete,
zogen die Organisatoren eine positive Bilanz: Die Bands und das wetterfeste Publikum
liessen sich die Festlaune nicht verderben.
Unglücksfälle und Verbrechen:
Unbekannte haben in der Nacht auf den 11. August den Aussenbordmotor und das Echolot eines
Fischerboots gestohlen.
Unglücksfälle und Verbrechen:
Einen Tag später ist in Staad eine 76‐jährige Fussgängerin bei einem Fussgängerstreifen angefahren
und verletzt worden.
Unglücksfälle und Verbrechen:
Ein 17‐jähriger Rollerfahrer ist am 18. August auf der Thalerstrasse mit einem Personenwagen kollidiert.
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Die Aerni Fenster AG ist mit ihrer Filiale ins Gewerbehaus an der Hauptstrasse in Staad umgezogen.
Die Firma lud am 19. September zum «Tag der offenen Fenster» ein. Ob die Türen auch geöffnet
wurden, entzieht sich meiner Kenntnis.
Unglücksfälle und Verbrechen
In der Nacht auf den 2. Oktober ist eine unbekannte Täterschaft im Seepark in eine Baubaracke eingestiegen.
Unglücksfälle und Verbrechen
In der Nacht auf Dienstag den 13. Oktober hat eine unbekannte Täterschaft die Türe einer Waschanlage
an der Knotternstrasse aufgewuchtet und den Geldwechsel‐Automat geknackt.
Unglücksfälle und Verbrechen
Am 6. November ist der Polizei ein Mofafahrer ins Netz gegangen, der teils mit 76 Stundenkilometern
unterwegs war. Anlässlich einer Kontrolle wurde ein mechanisch versierter 14jähriger angehalten,
der an seinem Mofa diverse technische Änderungen vorgenommen hatte.
Schul‐ und Gemeinderat haben sich für den Neubau des Schulhauses Buechen entschieden und das
Projekt der Architektin Angela Deuber zum Sieger gekürt. Die Erneuerung unseres Dorfschulhauses
dürfte damit beschlossene Sache sein, auch wenn das letzte Wort dazu die Stimmbürger haben werden.
Was in der Wirtschaft bereits üblich ist, soll auch bei unseren Kirchgemeinden eintreten. Die drei
katholischen Kirchgemeinden in der Gemeinde Thal werden fusionieren. Die Grundsatzabstimmung
an der Urne brachte in Thal, Altenrhein und in Buechen‐Staad deutliche Zustimmung zu einer Fusion:
Die Behörden werden einen Vereinigungsvertrag ausarbeiten und legen diesen den Bürgern an den
Kirchgemeindeversammlungen vom Frühjahr 2010 vor. Die Dreifaltigkeit der Kirchgemeinden in unserer
Gemeinde wird somit bald ein Ende haben.
Apropos Kirchen: Am 13. Dezember läuteten auf der ganzen Welt die Kirchen – als Zeichen gegen
den Klimawandel. An der Aktion beteiligte sich auch unsere Katholische Kirche. Ob das Geläut dem
Klima genützt hat, werden wir erst in einigen Jahren wissen. Wenn nicht, dann hat es wenigstens zur
Beruhigung unseres schlechten Kollektivgewissens beigetragen.
Unglücksfälle und Verbrechen
In der Nacht auf Dienstag, 8. Dezember, haben Unbekannte eine Baracke aufgebrochen und daraus
Werkzeuge gestohlen. Dass Werkzeuge gestohlen wurden, ist ein Hinweis darauf, dass es sich um
arbeitssame Einbrecher handelt, was nicht die Regel ist.
Der gute alte Flugplatz Altenrhein wurde im 2009 umgetauft. Er heisst nun ‚People’s Business Airport‘.
Das tönt zwar sehr modern und trendy, konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass im
2009 deutlich weniger Passagiere befördert wurden. Vielleicht lag es daran, dass all jene, welche den
Flughafen Altenrhein suchten, mit dem Begriff ‚People’s Business Airport‘ nichts anzufangen wussten
und deshalb das Flugfeld nicht gefunden haben.
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Stadler Altenrhein war eine der wenigen Unternehmungen in unserer Region, für welche 2009 ein
sehr gutes Geschäftsjahr war. Die Firma richtete eine neue Produktions‐ und Lagerhalle ein und
konnte insgesamt 300 neue Arbeitsplätze schaffen. Dies im Kontrast zu all jenen Unternehmen, die
im Zug der globalen Wirtschaftskrise Arbeitsplätze abbauen und Kapazitäten zurückfahren mussten.
In der Schweiz lebten Ende 2009 7.8 Millionen Menschen. Innert Jahresfrist wuchs die Bevölkerung
um 1.1%. Nach Angaben des Bundesamts für Statistik umfasste die ständige ausländische Wohnbevölkerung
in der Schweiz Ende 2009 insgesamt 1.7 Millionen Personen. Auch in unserer Gemeinde ist
die Bevölkerung auf 6‘242 Personen gewachsen. Im Chronikjahr fiel auf, dass auch in unserem Dorf
auffallend viele Autos mit deutschen Kennzeichen auf den Strassen verkehrten und auch in den
Handänderungen von Liegenschaften fielen die deutschen Namen auf. Der Vorteil dieser neuen Zuwanderung
ist darin zu sehen, dass es sich nicht um schwer zu integrierende balkanstämmige oder
türkische Personengruppen handelt. Der Nachteil besteht darin, dass die Deutschen Deutsche sind.
Dass Ausländerfragen im 2009 hoch aktuell waren, belegt das Wort des Jahres. Es heisst ‚Minarettverbot‘.
Der Begriff «Minarettverbot» umschreibt die politische und gesellschaftliche Dimension, der
von der Mehrheit der stimmberechtigen Schweizerinnen und Schweizer angenommenen Initiative,
bei der das Thema Architektur lediglich eine Nebenrolle spielte. «Minarettverbot» hat das Potenzial,
sich als neuer, linguistischer Sprachexport helvetischen Ursprungs zu etablieren – analog dem Wort
Birchermüesli. Diese Aussage stammt nicht etwa vom Chronisten, sondern vom Komitee, welches das
Wort des Jahres kürt. Es braucht wirklich ein hohes Mass an Kreativität, die beiden Begriffe Minarettverbot
und Birchermüesli in einen Zusammenhang zu bringen, denn es ist kaum anzunehmen, dass
Moslems gerne Birchermüesli essen.
Unglücksfälle und Verbrechen
Anfangs des Jahres 2009 hoffte jeder, dass er das Schwein hätte, nicht an der Schweinegrippe zu
erkranken. Die Medien machten einen Saulärm um die angebliche Pandemie, welche vier‐ und zweibeinige
Schweine auch in unseren Breiten hätte heimsuchen sollen. Am Ende des Jahres dachte dann
keine Sau mehr daran, dass das Thema Schweinegrippe das ganze Jahr über saumässig aktuell, aber
kein Schwein ernsthaft daran erkrankt war. Einzig erwiesene Tatsache ist, dass die Pharmaindustrie
damit ein Schweinegeld verdient hat.
Noch ein Wort zum Wetter 2009. Ein goldener Herbst führte zu einem guten Weinjahrgang 2009. Das
Jahr war trotz mittelprächtigem Sommer mit wenig Wonnetagen im Durchschnitt zu warm. Es reiht
sich nahtlos in die Reihe der statistisch zu warmen Jahre ein. Das Gebimmel der Kirchenglocken
bleibt vorerst wirkungslos.
31. Dezember 2009:
Eine Analyse über den Zustand der Gesellschaft und der im Jahr neun des 21. Jahrhunderts geltenden
Werte lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: Unglücksfälle und Verbrechen
Der Chronist
Elmar Büchel

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