GESCHRIEBENE CHRONIK

Geschriebene Chronik 2006

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Chronik des Jahres 2006
Das Jahr 2006 geht als Jahr in die Annalen ein, welches weder besonders
positiv noch negativ Spuren in unserer Dorfgemeinschaft hinterlässt. Insgesamt
war es ein eher ruhiges Jahr. Buechen und Staad kamen ausserhalb
unserer engeren Region nie gross in die Schlagzeilen und vielleicht
ist dies auch gut so.
Täglich wiederkehrend ist es für uns ein Thema und auch in jeder Chronik
hat es seinen festen Stammplatz: Das Wetter! Das Chronikjahr begann mit
einigen sehr kalten Wintertagen, an denen der See am Ufer zu gefrieren
begann. Markant dann die riesigen Schneefälle anfangs März, welche
Sondereinsätze per Helikopter notwendig machten, um Bäume entlang der
Strassen von Schnee zu befreien. Es musste – auch dass sehr unüblich –
die Feuerwehr einige Dächer von der Schneelast befreien, da Einsturzgefahr
bestand. Der Sommer war zwar recht warm, aber gemessen an der
Anzahl Sonnentage eher Durchschnitt. Enorm trocken und viel zu warm
war dann dagegen der ganze Herbst. Die Bäume in unseren Wäldern liessen
viel zu früh ihre Blätter fallen, als natürliche Reaktion auf die Hitze und
die fehlende Nässe. Viel zu warm blieb es in der Folge bis zum Jahresende
und der Dezember war alles andere als ein Wintermonat. Als Folge der
geringen Niederschläge im zweiten Halbjahr blieb der Pegel des Bodensees
durchgehend am unteren Ende der Skala. Der Seespiegel ist seit
mittlerweile vier Jahren anhaltend unter dem langjährigen Mittel.
Auch mit einer speziellen klimatischen Konstellation ist es zu erklären,
dass der östliche Teil von Staad und das Dorf Altenrhein am 4. August von
einer Wasserhose überrascht wurden. Zwei Stunden Regen wie aus
Giesskannen genügten, um Strassen, Keller und Tiefgaragen unter Wasser
zu setzen. Üblicherweise werden Wasserhosen in der Schweiz nur
etwa einmal pro Jahr beobachtet.
Da in den letzten Jahren in der Gemeinde rund 900 Obstbäume dem Feuerbrand
zum Opfer fielen, wurde die Gemeinde aktiv und entschloss sich,
450 neue hochstämmige Obstbäume zu verschenken. Die Obstbäume
sind für unser Landschaftsbild sehr prägend. Die Gemeinde wollte deshalb
nicht zuwarten, bis gar keine Hochstämmer mehr vorhanden sind.
Nicht aufgeforstet, sondern geschlagen wurden Bäume im Naturschutzgebiet
Bisenwäldli in Altenrhein. Die anhaltende Verwaldung der Feuchtgebiete
soll gestoppt und die wertvolle Erholungszone ökologisch aufgewertet
werden.
Auf 100 Jahre Bestehen kann der Turnverein Staad zurückblicken. Mit einem
grossen Jubiläumsfest wurde während drei Tagen im November dieser
runde Geburtstag gefeiert. Es trafen sich auch viele Ehemalige zum
Wiedersehen nach langer Zeit.
Nicht 100 Jahre, sondern 109 Jahre alt wurde an Heiligabend Frau Frieda
Näf. Sie ist bereits seit Langem die älteste Einwohnerin unserer Gemeinde,
mittlerweile aber auch bereits die älteste Schweizerin. Sie erfreut sich
einer guten Gesundheit, ist vital und kam zu Ehren ihres Geburtstagss an
Weihnachten zu einem Auftritt in Fernsehen und Presse.
Die Stimmbürger unserer Gemeinde gaben grünes Licht zum Projekt Seeufer
und Hafen Staad. Es umfasst ein weiteres Teilstück des Seeuferwegs,
verbessert die Zugänglichkeit des Seeufers und beinhaltet einen neuen
Bootshafen mit 150 Liegeplätzen. Der Fünf-Millionen-Kredit erhielt im September
den Segen der Bürgerschaft.
Überhaupt verändert sich das Gebiet zwischen Bodan und Speck in eindrücklichem
Tempo. Die letzten Spuren der 1920 gegründeten Spezialbeton
sind verwischt. Nachdem die letzten verbliebenen Arbeitsplätze ins
thurgauische Freidorf verlegt wurden, ist das Gerippe der Fabrikhalle Ende
Jahr abgerissen worden und ein Kapitel Industriegeschichte im Dorf damit
abgeschlossen. Auf dem frei gewordenen Areal entstehen markante
Wohneinheiten in der Überbauung Seepark in Staad. Das Gesicht von
Staad verändert sich durch diese prägnante Überbauung nachhaltig. Eine
zweite Überbauung entstand an der Thaler Strasse, oberhalb der SBBLinie,
schräg gegenüber der Obstverwertungsgenossenschaft. Auch hier
wurden Mehrfamilienhäuser gebaut. Auch der Bau von Einfamilienhäusern
boomte. Es entstanden verschiedene neue Häuser im Gebiet Risegg,
Seeblick und Kirchrain.
Die rege Bautätigkeit ist Spiegelbild eines wirtschaftlich guten Jahres
2006, in welchem Industrie, Gewerbe und Dienstleistungsbetriebe sowohl
regional aus auch auf nationaler Ebene einen guten Geschäftsverlauf
vermelden konnten.
Der Kindergartenpavillon an der Buechbergstrasse wurde in den Siebziger
Jahren als Provisorium eingerichtet. Diese Übergangslösung hielt dann
aber länger als geplant, nämlich bis Sommer 2006. Sinkende Kindergärntnerzahlen
als Folge des Geburtenrückgangs führten nun zur definitiven
Schliessung des Kindergartens. Eine Tendenz, welche in den kommenden
Jahren wohl weiter anhalten dürfte.
Es kommt selten vor, dass auf Gemeindeebene das Referendum ergriffen
wird. Im November wurde aber ein solches eingereicht. Anlass war ein
neues Gebührenreglement zur Benützung von Schul- und Sportanlagen,
welches vor allem seitens der Vereine auf Unverständnis und Ablehnung
stiess und viele Emotionen geschürt hat.
Neu besetzt wurde im Herbst das Schulratspräsidium, nachdem dieses
wichtige Amt fast ein ganzes Jahr vakant geblieben war. Mit Heinz Herzog
wurde von den Stimmbürgern einem Einheimischen die Verantwortung für
diese leitende Funktion übertragen.
Den Zeichen der Zeit folgend, wurde der Friedhof Buechen mit Urnengräbern
ergänzt. Es ist je länger je mehr Usanz, von Erdbestattungen abzusehen
und auf Urnengräber umzustellen.
Eine gute Idee ist die neu erstellte Aussichtsplattform auf dem steinigen
Tisch. Dieses Geschenk der Firma Sefar Thal ermöglicht den Wanderern
eine Rundumsicht über unsere Region und soll das Bewusstsein schärfen,
dass wir das Privileg besitzen, in einer schönen Gegend zu wohnen.
Den Blick auf die Reize und Schönheiten der nahen Umgebung wollten
auch verschiedene Gastronomiebetriebe schärfen. Sie boten im August
erstmals eine kulinarische Wanderung an, gespickt mit Spezialitäten und
Weinen, offeriert aus einheimischen Küchen. Ein Angebot, welches guten
Anklang fand.
Der Wein-Jahrgang 2006 darf sich sehen lassen. Dies erstaunt kaum.
Denn angesichts des sehr milden Herbst bestanden ideale Voraussetzungen
für das Ausreifen der Reben.
Dass es mit unserer Gesellschaft nicht zum Besten steht, dafür gibt es
leider einige Bespiele. So mussten nach einem Einbruch in unserem Gemeindehaus
die Schliessanlage ersetzt und ein Überwachungssystem installiert
werden. Ins gleiche unerfreuliche Kapitel ging die Aktion einiger
Nachtbuben, welche die Feuerstelle des Verkehrsvereins im April verwüstet
hatten. Und auch gerne weglassen würde ich die Information darüber,
dass im Mai einige Hirnlose mehrere Grabsteine umgestossen und Grabkreuze
beschädigt haben. Der Zeitgeist macht leider bei unseren Gemeindegrenzen
keinen Halt.
Betrachtet man das Chronikjahr aus nationaler und internationaler Optik,
so findet sich eine Unzahl nachdenklich stimmender Begriffe. Beispiele:
Irakkrieg, Ozonloch, Schmelzende Polkappen, Rechtsextremismus, Umweltzerstörung,
Atomkonflikt, Energiekrise, CO2-Ausstoss, Islamismus,
Hunger, Migration, Jugendgewalt, Klimawandel,
Wir können aber all diese negativ gefärbten Begriffe durchaus zum Anlasse
dafür nehmen, dankbar zu sein, in einer friedlichen Ecke dieser Welt zu
leben. Und wenn jeder von uns seinen kleinen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben
in unserem überschaubaren Lebensraum leistet, so kann
dies auch in Zukunft so bleiben.
Zum Wort des Jahres gekürt wurde der Begriff ‚Rauchverbot’. Neben seiner
unmittelbaren Bedeutung soll das Wort auch symbolisch stehen für
diverse andere Verbote, die im Chronikjahr Schlagzeilen gemacht haben.
Ob Minarettverbot, Kampfhundeverbot, Handyverbot, Weihnachtsverbot
oder Waffenverbot- offenbar ist das gesellschaftliche Zusammenleben ohne
Verbote nicht mehr zu regeln.
Nach all dem Negativen und Nachdenklichen der letzten Passagen möchte
ich die Chronik mit einem positiven Satz abschliessen. Dies ist zugleich
der Satz des Jahres und widerspiegelt die positive und optimistische
Grundhaltung einer Bundesratskandidatin, welche an sich und ihre Fähigkeiten
glaubt.
Der Satz des Jahres: ‚Ich bin überzeugt: Ich kann das!’
Verinnerlichen wir doch einfach diese Aussage und glauben auch wir an
uns und unsere Fähigkeiten.
Der Chronist Elmar Büchel

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2019-03-12T09:28:11+02:00