GESCHRIEBENE CHRONIK

Geschriebene Chronik 2008

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Chronik des Jahres 2008
Die Einwohnerzahl der Gemeinde Thal betrug anfangs Jahr 6‘080 Personen, 133 Personen mehr als
vor Jahresfrist. Zuwanderungen und neuer Wohnraum trugen dazu bei. Zur Schaffung dieses
Wohnraums veränderte sich die Staader Skyline. Vor allem auf dem Areal der ehemaligen
Spezialbeton entstanden weitere Wohnungen. Und auch im Gebiet Grüebli weisen Bauvisiere auf
eine Überbauung mit fünf Mehrfamilienhäusern hin. Der Bau von neuen Einfamilienhäusern boomte
ebenfalls.
In unserer modernen Zeit gehen viele alte Traditionen rasch und unwiederbringlich verloren.
Wenigstens einige alte Bräuche werden noch gepflegt. So waren während drei Tagen im Januar
Kinder der Mittelstufe als Sternsinger unterwegs und brachten Gottes Segen in die Häuser. Es
konnten über 5‘800 Franken gesammelt und für einen guten Zweck eingesetzt werden. Auch solche
Nachrichten gab es im sonst doch eher düsteren Chronikjahr zu vermerken.
Unser Dorf wurde im Jahr 2008 von 15 Millionen Fahrzeugen auf der Autobahn passiert. Rund 30
Auto‐ und LKW‐Fahrer besichtigten pro Minute auf der A1 unser Dorf durch die Windschutzscheibe.
Auf der Hauptstrasse wurde Staad von 5.1 Millionen Fahrzeugen in beide Richtungen durchquert. Bei
14‘000 täglichen Begegnungen mit Autofahrern hat sich daher nie einsam gefühlt, wer an der
Hauptstrasse lebt.
Die Arbeiten am neuen Bootshafen schritten in der ersten Jahreshälfte rasch voran. Das
Hafenmeisterbüro wurde in das benachbarte Feuerwehrdepot und Seewasser‐Pumpwerk integriert.
Als Aufbau auf dem Wasserwerkgebäude entstand eine Lounge. Dieser Raum dient für verschiedene
Zwecke und kann auch von Vereinen benutzt werden.
Die Steganlage im neuen Staader Hafen war im April bezugsbereit. Die ersten Boote konnten mit
einem neuen Kran, der über eine Nutzlast von sechs Tonnen verfügt, gewassert werden. Die 150
Bootsplätze wurden alle vermietet. Rund zwei Drittel der Bootsbesitzer stammen aus der Gemeinde,
der Rest aus der näheren Region.
Anfangs Juni wurde der Bootshafen mit einem grossen Fest gefeiert. Zum Eröffnungsakt fand sich viel
Publikum ein. Es war der Moment, um zu danken und zu ehren. Die grösste Anerkennung gebührte
Gemeinderat und Hafenkommissionspräsident Beat Bosshart für seinen unermüdlichen Einsatz zum
Gestaltung des Seeufers. Mit dem Hafenneubau und der Neugestaltung der Hafenmole konnte unter
seiner Leitung ein Meilenstein zur Attraktivitätssteigerung von Staad und zur Belebung des Dorfes
verwirklicht werden. Denn das Hafenareal ist keinesfalls den Bootsbesitzern vorbehalten, sondern
bietet jedermann die Möglichkeit, sich am See aufzuhalten, zu flanieren und im neuen
Sommerrestaurant einzukehren. Der Hafen wurde möglich, weil rund 100 Liegeplätze vom
Mündungsbereich des Alten Rheins nach Staad verlegt wurden.
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Fahrende sind keine gern gesehenen Gäste. Dies zeigte sich im Februar an einem Informationsabend
über den geplanten Durchgangsplatz im Fuchsloch. Dort sollen Schweizer Fahrende auf dem Areal
des ehemaligen Materiallagers der Schweizer Armee haltmachen dürfen. Die Plätze sollen mit einer
einfachen Infrastruktur ausgestattet und von der Gemeinde betreut werden. Obwohl sich viele
Dorfbewohner durch die Darlegungen des Kantonsvertreters und eines Fahrenden nicht überzeugen
liessen, wird der Durchgangsplatz wohl realisiert. Die Bedenken im Dorf sind durchaus berechtigt,
wird doch unsere Gemeinde auf der Autobahn und der Hauptstrasse jährlich von 20 Millionen
Fahrenden passiert.
Im Steinbruch Bärlocher hat im März 2008 der grösste Bagger der Ostschweiz seinen Dienst
angetreten. Mit seinem Einsatzgewicht von sechzig Tonnen verfügt der Koloss über eine enorme
Reiss‐ und Tragkraft und bewältigt spielend über 20 Tonnen schwere Steinblöcke. Eine
Herausforderung war die Anlieferung zum Kreienwald, als der überdimensionale 100‐Tonnen‐
Schwertransporter im Buriet unter der Autobahnbrücke steckenzubleiben drohte. Der Steinbruch
selbst wurde im Berichtsjahr erweitert. Dem Wanderer fiel dies sofort auf, wurden doch als erstes die
Wanderwege rund um den Steinbruch versetzt. Mit der Ausweitung des Steinbruchs ist
sichergestellt, dass weiterhin der traditionelle Staader Sandstein abgebaut werden kann.
Was weist darauf hin, dass es Frühling ist? Gut tausend Leute dicht gedrängt in einer Mehrzweckhalle
und Berichte von finanziellen Rekorden – dann ist Frühling und dann ist die GV unserer
Raiffeisenbank. Die Verantwortlichen, Rudolf Dudler und André Eberhard, präsentierten einen
ausgezeichneten Jahresabschluss. Der grosse Rest der Anwesenden freute sich im Frühling schon fast
weihnächtlich auf das obligate Nachtessen.
Auch bereits Frühlingstradition hat das Bikerennen bei uns im Dorf. Rund 250 Bike‐Begeisterte
stellten sich der Herausforderung, das Gelände rund um den Chreienwald zu bewältigen. Dagegen
war im 2008 die letzte Wartenseerundfahrt. Rückläufige Teilnehmerzahlen und grosser
organisatorischer Aufwand bedeuten das Ende für dieses traditionelle Strassenrennen.
Seit einigen Jahren haben beim FC Staad auch Frauen die Hosen an und dies mit beachtlichem Erfolg.
Dafür wurde unser Fussballclub in Bern geehrt. Der Einsatz der vielen Trainer und Trainerinnen für
den Frauenfussball wurde im Rahmen der Aktion ‚Vereine finden Trainer‘ verdankt.
Zusätzliche Ehrung für den FC Staad: Als erster Verein in der Gemeinde Thal erhielt der FC Staad das
Label „Sport‐verein‐t“. Mit diesem Gütesiegel verpflichtet sich der Verein, Menschen
unterschiedlicher Herkunft zu integrieren und sich für Konflikt‐ und Suchtprävention einzusetzen.
Apropos Fussball: Was ist, wenn im Juni jedes zweite Auto eine Flagge mitführt, bunt gemischt, mal
Schweizerkreuz, mal portugiesische, türkische, deutsche, italienische oder kroatische Flagge. Richtig:
Dann findet ein Fussballgrossanlass statt. Der Fussballfan erlebte 2008 in der Folge den Untergang
der Schweizer Mannschaft in heimischen EM‐Stadien und der Nichtfussballfan war angesichts der
Flaggenvielfalt erstaunt über die multikulturelle Vielfalt unserer Bevölkerung. Dass Spanien am
Schluss Europameister wurde, kam vor allem den Deutschen spanisch vor.
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Gewalt und Vandalismus sind bei uns zunehmend ein Problem. Obwohl Thal als Standort des
regionalen Stützpunktes Buriet bezüglich Polizeipräsenz einen gewissen Vorteil geniesst, wünscht
man sich den guten alten Dorfpolizisten zurück, der für Ruhe und Ordnung sorgt. Verwüstungen von
Gärten und öffentlichen Anlagen waren leider an der Tagesordnung. Problematisch ist nicht allein
der Sachverhalt an sich, sondern wie mit diesem umgegangen wird. Der Begriff ‚Graffiti‘ steht
beispielsweise als wunderschöne Wortkreation für meist hässliche und ärgerliche Klecksereien und
das klangvolle, schon fast sarkastisch anmutende englische Wort ‚Littering‘ würde doch besser durch
‚Sauerei im öffentlichen Raum, verursacht durch einige Idioten, zu beseitigen zu Lasten der
Nichtidioten‘ ersetzt.
Im April stimmten die Kirchbürger in Altenrhein dem Antrag zu, die gemeinsame Zukunft der
katholischen Kirchgemeinden Altenrhein, Buechen‐Staad und Thal sei zu prüfen. Nachdem die
Ortsteile unserer Gemeinde politisch eine Einheit bilden, vor einigen Jahren sich auch die
Schulgemeinden zusammenschlossen, werden nun auch die Kirchgemeinden nachziehen.
Die Christkönigskirche feierte mit einem grossen Fest im Mai Geburtstag. Für eine Vierzigjährige sieht
unsere Kirche noch sehr flott aus und braucht den Vergleich mit jüngeren Gotteshäusern nicht zu
scheuen, mutet doch die Architektur nach wie vor sehr modern an. Am Pfarreifest konnte die
Jubilarin erstmals bestiegen werden. Der Turm hat keine Treppe, sondern lediglich eine kleine Leiter
an der Fassade, über die man nach oben gelangen konnte. Wer also an diesem Wochenende dem
Himmel ein wenig näher sein wollte, brauchte nicht zum Gebet in die Kirche oder an seinen
Mitmenschen Gutes zu tun. Einige Stufen auf der Himmelstreppe genügten, um auf dem Turm über
allem Weltlichen zu schweben und dem Himmel nahe zu sein.
Am 28. Juni wurde der neue Mosti‐Shop eröffnet. 1903 gegründet, hat unsere Dorfmosterei schon
viele Änderungen durchlebt. Eine Neuerung gab es diesen Sommer. Wo früher nur ein Lager war,
kann nun im hellen, übersichtlichen Verkaufsraum eingekauft werden. Den Obstgetränken kommt
dabei eine spezielle Bedeutung zu, da die Mosti im Herbst noch immer das meiste Mostobst aus der
Region zu Most verarbeitet.
Am Nagelstein wurde genagelt. Am Nagelstein, dem durch Sandstein geschlagenen Durchlass für die
Strasse zwischen Staad und Thal durch den Buechberg, lösten sich öfter Steine. Die Gemeinde liess
deshalb die Felswände sichern sowie Böschungen und Trockenmauern sanieren.
Im Herbst wurde es laut im Blätterwald ‐ Der Steg bleibt! Der Steg muss weg! Der See gehört allen!
Der Steg des Anstosses!. Nachdem in den vergangenen Jahren viel in die Attraktivitätssteigerung von
Staad investiert wurde, sagten Anwohner dem neuen Steg den Kampf an. Dieser ziehe nach deren
Meinung zusätzlichen Lärm an. Die Diskussion darüber wurde sehr emotional geführt. Das
Grundproblem ist unbestritten: 20 000 Fahrzeuge pro Tag, nächtliche Güterzüge, Flugverkehr, dazu
Emissionen durch Vandalismus, Littering und «Nachtgesindel» aller Art, sind für die Betroffenen oft
eine Zumutung. Dass die lärmgeplagten Initianten die Polemik aber ausgerechnet auf den
Fussgängersteg richteten, mutete für Unbeteiligte doch eher befremdend an.
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Im Herbst 2008 hat sich ein alter Vampire der Schweizer Armee verflogen. Er verfehlte die Landepiste
des Flughafens und stürzte auf den Kreisel bei der Hundertwasserhalle. Vom Piloten fehlt seither jede
Spur. Da die Bergung des Flugzeugs zu aufwendig erschien, wurde von der Tourismuskommission
beschlossen, das Flugzeug im Kreisel zu belassen. Seither umfahren staunende deutsche und
holländische Touristen das Wrack, welches sich bei starken Winden über deren Köpfen dreht. Die
Sage erzählt, nicht der Wind, sondern die Seele des verschollenen Piloten bewege das Flugzeug in
stürmischen Novembernächten. Die ruhelose Seele soll auch dafür verantwortlich sein, dass die
Wände des benachbarten Hundertwasserhauses leicht in Schieflage geraten sind.
Stadler Rail in Altenrhein erweitert seinen Betrieb und baut dafür eine grosse Fabrikationshalle. Es
entstehen neue Arbeitsplätze. Ansonsten wird der wirtschaftlichen Lage im Chronikjahr am Besten
mit einem Blick auf die Wörter des Jahres gerecht: In der Schweiz heisst dies ‚Rettungspaket‘ und in
Deutschland ‚Finanzkrise‘. Das Wirtschaftsjahr begann im Januar 2008 bei strahlendem Wetter. Am
Ende des Jahres war der ganze Globus ein einziges wirtschaftliches Tiefdruckgebiet und keine Ende
der Schlechtwetterphase absehbar.
Bleiben wir beim Wetter: 2008 zählt zu den 10 wärmsten Jahren seit Messbeginn 1864. Rund ein
Grad zu warm und im Mittelland überdurchschnittlich sonnig. Einzig der September war zu kalt.
Im Herbst wählten die USA mit Barrack Obama einen neuen Präsidenten. Zur gleichen Zeit bestätigte
unsere Gemeine seinen alten im Amt. Unser alter Präsident ist trotzdem einen Monat jünger als
Amerikas Neuer. Bei der Gesamterneuerung des Gemeinerats ersetzten Regula Laux und Hubert
Müggler die beiden zurückgetretenen Gemeinderäte, Bruno Koller und Fritz Schneider.
Kein Chronikjahr ohne Kurioses und Fragwürdiges:
Staad, 25. Januar 2008: Polizisten wollten den Personenwagen einer Frau zur Kontrolle anhalten. Sie
fuhr dann rasant weg. Später konnte die Polizei sie in Buechen anhalten. Schliesslich ging sie mit
Fäusten auf die Polizisten los.
Staad, 29.März 2008: Bei einer Radarkontrolle an der Hauptstrasse wurden zwei Nonnen aus
Feldkirch angehalten, weil sie zu schnell gefahren sind. Schuld sei ihr Geschwatze während der Fahrt
gewesen. Eine Busse von 40 Franken gab es trotzdem.
Staad, 5. Juni 2008: Zwei junge Männer haben in den vergangenen Wochen in Staad und Thal
mehrere Diebstähle aus meist unverschlossenen Autos verübt und dabei Bargeld, elektronische
Geräte und Schlüssel gestohlen.
Staad, 23. Juni 2008: Bei der Polizei waren am Samstagnachmittag Meldungen über ein
herumirrendes Kalb eingegangen. Das Tier war entflohen und über Strassen und Bahngleise bis zum
alten Schlachthof nach Rorschach gerannt. (Weshalb ausgerechnet der Schlachthof?).Dort war es in
den Bodensee gesprungen. Die Polizei konnte das Kalb schliesslich etwa einen Kilometer vom Ufer
entfernt orten und bergen. Nach mehreren Versuchen habe das Tier an Bord gehievt werden können.
Womit einmal mehr bewiesen ist, dass, wenn man sich nur dämlich genug anstellt, jedes dumme
Kalb Aufnahme in eine Dorfchronik finden kann.
Der Chronist, Elmar Büchel

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2019-03-06T08:22:33+02:00