GESCHRIEBENE CHRONIK

Geschriebene Chronik 2013

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Chronik des Jahres 2013

Januar

Grosse Ehre für Alexandra und Roland End: Anfangs Jahr wurde dem Weissen Rössli der «Goldene Fisch» verliehen, das Prädikat für eine ausgezeichnete Fischküche. Das Prädikat «Fischküche mit Aus¬zeichnung» wird nur Gastronomiebetrieben übergeben, die frischen Fisch aus einheimischen Gewäs¬sern pflegen und auch regionale Hausspezialitäten anbieten.
Am Samstag, 26. Januar, entführte der TV Staad sein Publikum an der Abendunterhaltung unter dem Motto «Der Fluch der Schwanen-Bucht» auf eine Reise auf hohe See. Eine Gruppe von Piraten prä¬sentierte ein vielseitiges und energiegeladenes Programm. Das zahlreich erschienene Publikum er¬lebte einen vergnüglichen Abend mit abwechslungsreichen Darbietungen auf der Bühne, bezie¬hungsweise auf dem Piratenschiff.

Februar
Diese Grippewelle im Februar hatte es in sich. Halbe Schulklassen und ein Grossteil des Personals verbrachten mehrere Tage in der Schnittstelle zwischen Bett und WC. Da die Grippe über mehrere Monate andauerte und sehr hartnäckig war, kam so mancher Virenbefallene am Monatsende zum Schluss, dass angesichts der hohen Frequenz der WC-Besuche der Februar 2013 ein Scheissmonat gewesen sei.

März
Wie schafft es eine Schule, schweizweit zum Gespräch zu werden? Indem an einem Morgen der Schulhauswart Nacktfotos einer Schülerin im Schulhaus verstreut auffindet. So geschehen an unse-rem Oberstufenzentrum im März 2013 . So wurde über die paar Bildchen heftig lamentiert und Ju-gendpsychologen, Sozialarbeiter und Medienschaffende hatten Stoff für lange Debatten. Hintergrund war eine Fehde zweier Teenie-Mädchen, welche ihren Streit auf diese Weise ausgefochten hatten. Über das hohe Mass an öffentlichem Interesse sind die Betroffenen dann vermutlich am meisten erschrocken.
Der Winter 2012/2013 wurde seinem Namen voll gerecht. So hatten wir zwischen November und Ende März fast durchgehend eine Schneedecke. Einzige Ausnahme bildete der fast schon übliche Schönwettereinfall über Weihnachten. Was viele Leute zermürbte, war die Tatsache, dass der Winter bis weit in den Frühling reichte und der Osterhase zu Recht seine Eier färbte, ansonsten wären diese im kompakten Weiss der Umgebung komplett untergegangen.
Der März 2013 war sehr arm an Sonnenschein. Er geht als der kälteste März seit 26 Jahren in die Geschichte ein. Die Temperaturen waren rund fünf Grad tiefer als üblich und so mancher wurde von Depressionen befallen, da der Frühling einfach nicht kommen wollte.

April
„Bützelpark – Freizeit und Sport“; so heisst seit April 2013 unsere Sportanlage. Sie soll in grossem Stil erweitert werden. Unter anderem ist ein Bühnen- und Mehrzweckanbau an der Doppelturnhalle, ein Allwetterplatz (hatten wir dies nicht schon mal?) und die Neugestaltung des Spielplatzes vorgesehen. Am 9. Juni fand die Abstimmung über dieses Millionenprojekt statt. 53 Prozent der Stimmbürger stimmten dem Projekt zu, sodass der Modernisierung der Sportanlagen nichts mehr im Wege steht.

Mai
„Gemeinsam für die Zukunft“. Unter dieser visionären Überschrift lud am 4. Mai die Gemeinde unse¬re Bevölkerung zu einem Workshop ein. Ziel war ein Ideenwettbewerb, wie unser Wohnraum le¬benswerter und attraktiver gemacht werden kann. So gab es denn viele Themen: vom Hallenbad auf dem Arena-Areal über die Rossbollen-Aufnahmepflicht bis zum Erhalt der Dorfbank, die das Weite gesucht hat. Der für diesen Anlass beigezogene Berater bestätigte, dass die Bewohner in unserer Gemeinde eigentlich ganz zufrieden seien, auch wenn ihm gewisse Grabenkämpfe zwischen den drei Ortsteilen Thal, Altenrhein und Staad nicht entgangen seien. Die erschienenen 110 Personen wurden am Ende für das kreative Brainstorming mit Bratwurst, Bürli, Mineral und Bier verwöhnt. Vielleicht wäre mit einem Bier zu Beginn zusätzliche Kreativität eingeflossen.
Ungewöhnlich emotional war anfangs Mai die jährliche Generalversammlung unserer Raiffeisenbank. Der Entscheid zur Schliessung der Bankstellen in Thal und Rorschacherberg, nachdem bereits unsere Staader Filiale im 2012 geschlossen wurde, wurde von den Genossenschaftern nicht goutiert. Das Vertrauen in die Bankleitung unter Führung von Rudolf Dudler wurde vor allem deshalb strapaziert, weil früher stets betont wurde, dass die Filialen trotz des Neubaus in Rorschach erhalten bleiben würden. So endete die GV mit einem offenen Disput zwischen Genossenschaftern und Bankleitung. Irgendwie schmeckte den Genossenschaftern danach auch der offerierte Znacht nicht mehr so gut wie früher.
Am 16.Mai leistete unserer Feuerwehr einen Grosseinsatz. Nach einem Brand in einem Mehrfamili¬enhaus an der Hauptstrasse beim Bodan mussten sechs Personen im Spital wegen Verdachts auf Rauchvergiftung untersucht werden. Das Feuer brach in der Küche einer Wohnung aus. Weshalb blieb unklar. Das gesamte Mehrfamilienhaus blieb danach wegen Brand- und Wasserschadens unbe¬wohnbar und insgesamt 13 Personen mussten vorübergehend eine neue Bleibe finden. Der Schaden ging gegen eine Million Franken und das Mehrfamilienhaus musste komplett saniert werden.
Der Schein trog nicht: Seit Jahresbeginn zeigte sich die Sonne auf der Alpennordseite so selten wie seit 1970 nicht mehr. Die Vergleichsperiode Januar bis April war unterdurchschnittlich wenig Sonne vorhanden. Auch der Mai war nicht besser. Die Heizperiode verlängerte sich deshalb bis fast in den Juni hinein. Das anhaltend trübe und nasse Wetter gipfelte in sintflutartigen Regenfällen anfangs Juni, die dazu führten, dass einige Bäche über die Ufer traten. Der Bodenseepegel kratzte danach an der Hochwassermarke, glücklicherweise ohne Schadenfolge. Wir hatten in unserer Region viel Glück. Anderenorts richteten die Unwetter und Überschwemmungen grosse Schäden an, Bäche und Flüsse traten über die Ufer und durchnässte Hänge gerieten ins Rutschen.

Juni
Eine der grössten Photovoltaikanlagen der Region ist auf dem Dach der Galliker Transport AG im Rietli montiert worden. Die Arbeitsgruppe Energiestadt lud zu einer Information und Begehung. Die Produktion der 1900 Solarmodule auf der riesigen Fläche von 3‘200 Quadratmetern entspricht im¬merhin dem Verbrauch von 150 Einfamilienhäusern. Als Energiestadt ist unsere Gemeinde laufend darum bemüht, energetisch sinnvolle Projekte anzustossen und zu fördern.
Im Zuge des anhaltenden Baubooms haben die Baulandpreise bei uns stark angezogen. Sie bewegten sich je nach Lage zwischen Fr. 350 und Fr. 800 und sind innert 5 Jahre um etwa 25% angestiegen. Dessen ungeachtet hielt die fortschreitende Bebauung von weiteren Grünflächen im 2013 an. Die tiefen Zinsen machen das Bauen und den Besitz von Wohneigentum seit Jahren sehr attraktiv.

Juli
Geniessen und erleben, zwischen See und Reben: Unsere Tourismuskommission brachte in den Sommerferien den Feriengästen, Wochenendaufenthaltern, Campierenden, Hotelgästen, aber auch den Daheimgebliebenen unsere vielfältige Gemeinde auf verschiedene Arten näher. Eine sehr gute Gelegenheit, vermeintlich Bekanntes neu zu entdecken und das Auge auf die Vielfalt unserer Umge¬bung zu schärfen. Das Angebot wurde rege benutzt und erhielt guten Zuspruch.

August
Am 23. August war ein spezieller Tag, erhielt doch unsere Bevölkerung die Möglichkeit, den Neubau des Schulhauses Buechen zu besichtigen. Diese Gelegenheit wurde gerne wahrgenommen und die Kontroverse über die stilistischen Eigenheiten des neuen Schulgebäudes hielt an. So bleibt die Kluft zwischen jenen, die den Bau elegant, mutig, zeitgenössisch und stilvoll finden und den anderen, wel¬che als passende Adjektive eher düster, nüchtern und hässlich herbeiziehen und das Bauwerk als Fremdkörper empfinden.
Beim Entsorgen von Chemikalien in einem Labor der Firma Biosynth ereignete sich am 28. August eine Explosion. Ein 55-jähriger Arbeiter erlitt Augenverletzungen durch herumfliegende Scherben und Trümmer. Er wurde mit dem Rettungswagen ins Spital gebracht.

Oktober
Die Apfelernte fiel in diesem Jahr mager aus, und die Mostereien mussten saftige Einbussen hinneh¬men. Für die Obstverwertung Staad war heuer gar das schlechteste Jahr ihrer Geschichte. Als aber¬gläubisch würde er sich nicht bezeichnen, aber die Zahl 13 möge er trotzdem nicht, sagt Daniel Roten halb ernst, halb spöttisch. Noch nie hat die Obstverwertung eine derart schlechte Saison erlebt. «Nicht in den 100 Jahren, seit es sie gibt.»
Am Ende der Saison waren dann etwa 300 Tonnen Obst vermostet worden. Zum Vergleich: In einem normalen Jahr kommt er auf etwa 1000, in einem guten Jahr gar auf 1500 Tonnen Mostobsternte.
Schuld an der miesen Ernte waren die Wetterkapriolen in diesem Jahr. Der Frühling war zu nass, der Sommer zu trocken. Im Juni gab es starken Hagel. Das hat einen Grossteil der Ernte zerstört. Noch immer spürbar waren auch die Auswirkungen des Feuerbrands, der 2007 um sich gegriffen hat. Und auch das Bienensterben machte sich bemerkbar.
Als wie wenn dies noch nicht genügen würde, wurde am 29. Oktober auch noch in die Mosterei ein¬gebrochen. Eine aufmerksame Person informierte die Polizei. In der Folge konnten zwei verdächtige Männer im Alter von 21 und 27 Jahren verhaftet werden.

November
Nicht nur die Fussballer erhalten eine neue Sportstätte. Auch die 35 Jahre alte Tennishalle wurde aufgerüstet, mit einem neuen Teppichboden versehen, so dass auch diese Anlagen wieder vom Feinsten sind. Nach viermonatiger Renovation konnte die neue Tennishalle eingeweiht werden. Die Halle wurde wärme- und schallgedämmt, erhielt als erste Tennishalle in der Schweiz eine energiespa-rende LED-Beleuchtung und der Belag präsentiert sich in modernem Blauton.

Dezember
Im Dezember lag der Teilzonenplan Fuchsloch auf. Die Umzonung ist nötig, um einen Durchgangs¬platz für Fahrende realisieren zu können. Dem Projekt weht ein eisiger Wind entgegen. Anwohner machen dagegen mobil. Im Frühling 2009 wurde der Kantonsratsbeschluss über die Finanzierung von Durchgangsplätzen für Fahrende gefasst. Einer davon soll im Gebiet Fuchsloch realisiert werden. Einfache Gebäude mit Toiletten und Duschen sowie eine Entsorgungsstelle sollen entstehen. Die Kosten von 1,2 Millionen Franken übernimmt der Kanton. Aufgabe der Gemeinde ist der Unterhalt, der aus Standgebühren finanziert wird. Der Thaler Gemeinderat hat das Projekt gutgeheissen. Nicht gut kommt die Sache bei einem grossen Teil der Bevölkerung an, welche keine Freude an der geplan-ten Nachbarschaft mit den Fahrenden hat.
Kurioses ereignete sich am 14. Dezember. An diesem Samstagmorgen ist es auf der Burietstrasse zu einer Verkehrsbehinderung gekommen. Der Lenker einer landwirtschaftlichen Fahrzeugkomposition hat eine Ladung Stroh transportiert. Der hintere der beiden Anhänger geriet ins Schlingern, wodurch die Strohladung trotz Sicherung herunterfiel. Die Staatsstrasse war während über 30 Minuten nicht passierbar, dafür eingestreut wie ein Pferdestall.
Im Herbst bereits Weihnachtslieder singen – das kommt für viele nicht in Frage. Doch für die 93 Schü-lerinnen und Schüler der Primarschule Staad war genau das Programm. Das Resultat der wochenlan-gen Proben präsentierten sie kurz vor Weihnachten in der gut gefüllten Christkönigskirche. Es wur¬den traditionelle Ostschweizer Weihnachtslieder vorgetragen, welche fast etwas in Vergessenheit geraten sind. So wurde altes Liedgut aktiv gepflegt und der Jugend vermittelt.
Der Heiligabend 2013 war keine ‚stille Nacht‘. Ganz im Gegenteil. Ein sehr heftiger Föhnsturm tobte und forderte Feuerwehr, Unterhaltsdienst und Polizei. Der Sturm fällte einige Bäume und riss Ziegel von den Dächern. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde vom Winde verweht. So wurde die weihnächtliche Stimmung ziemlich getrübt, zumal der Föhneinbruch auch rekordhohe Temperaturen mit sich brachte.
Und so waren am Ende des Jahres alle Abergläubischen froh, dass die 13 ein Ende nahm. Bis zur nächsten 13 dauert es ein Weilchen und das wird dannzumal die heute Abergläubischen kaum mehr kümmern.

Der Chronist, Elmar Büchel

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2019-03-06T08:15:22+02:00